Verordnung Prävention↗ PDF331.110

Verordnung zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen (Verordnung Prävention)

vom 27. Juni 2018 (Stand 01. Januar 2019)

Der Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau,

gestützt auf § 134b Abs. 4 Kirchenordnung1,

beschliesst:

I.Grundsatz

§ 1

Zweck

1Die nachfolgenden Bestimmungen gelten für die Umsetzung der Massnahmen zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen in der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau (Landeskirche).

2Die Bestimmungen dienen dazu, eine einheitliche Verwaltungspraxis zu gewährleisten.

3Vorbehalten bleiben abweichende und ergänzende Regelungen in anderen Erlassen.

§ 2

Gegenstand

Diese Verordnung enthält ausführende Bestimmungen

1. zu den Schulungen

2. zum Sonderprivatauszug

3. zum Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung.

§ 3

Mit dem Vollzug beauftragte Organe und Personen

1Der Vollzug dieser Bestimmungen obliegt dem Kirchenrat und der Kirchenpflege.

2Die Befolgung der Massnahmen durch die ordinierten Dienste untersteht der Aufsicht des Kirchenrats, diejenige der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Aufsicht der Kirchenpflege.

3Der Kirchenrat sorgt dafür, dass innerhalb der Landeskirchlichen Dienste eine für Prävention zuständige Fachstelle bezeichnet wird.

4Die Kirchenpflege bezeichnet ein ehrenamtliches, personalverantwortliches Mitglied der Kirchenpflege als Kontaktperson für Prävention und meldet diese der Fachstelle. Die Kontaktperson für Prävention ist Ansprechpartnerin der Landeskirche in allen Fragen im Zusammenhang mit der Prävention im Sinne dieser Verordnung.

II.Schulungen

§ 4

Zielgruppen

1Die ordinierten Dienste und diejenigen angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchgemeinden und der Landeskirchlichen Dienste, die in ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen Kontakt haben, nehmen an den von der Landeskirche organisierten obligatorischen Schulungen zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen teil (§ 134b Abs. 1 Kirchenordnung, KO2).

2Zur Teilnahme an den Schulungen verpflichtet sind alle Pfarrerinnen und Pfarrer, Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone, Katechetinnen und Katecheten, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter mit einer Anstellungsverfügung.

3Die Kirchenpflege entscheidet, welche weiteren angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen Kontakt haben, zur Teilnahme an den Schulungen verpflichtet sind.

4Befristet angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemäss Abs. 2 und 3 nehmen an den Schulungen teil, sofern solche während der Dauer der Anstellung durchgeführt werden.

§ 5

Durchführung

1Die Schulung erfolgt in regelmässig durchgeführten Basis- und Aufbaukursen.

2Der Basiskurs ist von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemäss § 4 einmal, der Aufbaukurs regelmässig einmal pro Amtsperiode zu besuchen.

3Der Basiskurs dauert einen Tag. Er beinhaltet

1. Grundwissen zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen

2. Auseinandersetzung mit Risikosituationen

3. Besprechung des Verhaltenskodexes und Konkretisierung im Blick auf verschiedene berufliche Umfelder.

4Der Basiskurs ist innerhalb von zwei Jahren nach Einführung der Schulung oder innerhalb von zwei Jahren nach der Anstellung zu besuchen.

5Der Aufbaukurs dauert einen halben Tag. Die Teilnahme am Aufbaukurs setzt den Besuch des Basiskurses voraus. Im Aufbaukurs wird die Thematik vertieft und weitergeführt.

6Die Teilnahme an den obligatorischen Schulungen gilt als Arbeitszeit (§ 134b Abs. 1 KO3).

§ 6

Organisation

1Die Schulungen werden von der zuständigen Fachstelle organisiert.

2Die Kirchenpflegen melden der Fachstelle die gemäss § 4 Abs. 3 und 4 zur Teilnahme an der Schulung verpflichteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

3Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über eine mindestens äquivalente Aus- oder Weiterbildung in Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen verfügen, können auf schriftliches Gesuch hin von der Fachstelle von der Teilnahme an den Schulungen dispensiert werden. Die absolvierte Ausbildung muss nachgewiesen werden.

4Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Schulungen erhalten eine Teilnahmebestätigung.

III.Sonderprivatauszug

§ 7

Zielgruppen

1Die ordinierten Dienste und diejenigen angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchgemeinden und der Landeskirchlichen Dienste, die in ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen Kontakt haben, reichen regelmässig Sonderprivatauszüge ein (§ 134b Abs. 2 KO4).

2Zur Einreichung von Sonderprivatauszügen verpflichtet sind alle Pfarrerinnen und Pfarrer, Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone, Katechetinnen und Katecheten, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter.

3Die Kirchenpflege entscheidet, welche weiteren angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen Kontakt haben, zur Einreichung von Sonderprivatauszügen verpflichtet sind.

§ 8

Durchführung

1Die Sonderprivatauszüge sind einzureichen

1. im Rahmen der Abklärung der Wählbarkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern, Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen vor dem Wahlvorschlag an die Kirchgemeinde, ausgenommen bei Stellenwechsel innerhalb der Landeskirche

2. vor der Anstellung von nicht zu wählenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemäss § 7 durch die Kirchenpflege, ausgenommen Stellvertreterinnen und Stellvertreter der ordinierten Dienste, deren Wählbarkeit der Kirchenrat schriftlich bestätigt hat

3. sowie von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemäss § 7 jeweils innerhalb von drei Monaten nach Beginn einer neuen Amtsperiode.

2Die Nichteinreichung des Sonderprivatauszugs ohne Rechtfertigung gilt als schwere Pflichtverletzung.

§ 9

Organisation

1Die für die Bestellung der Sonderprivatauszüge notwendigen Bestätigungen der Arbeitgeberin werden von der Kirchenpflege ausgestellt.

2Die Sonderprivatauszüge der ordinierten Dienste werden dem Kirchenrat, diejenige der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchenpflege eingereicht.

3Neu eingereichte Sonderprivatauszüge dürfen nicht älter sein als 5 Monate.

4Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Stellen in mehreren Kirchgemeinden können Kopien des Sonderprivatauszugs einreichen, die von den Kirchenpflegen auf der Webseite des Bundesamtes für Justiz auf Korrektheit zu überprüfen sind.

5Für Stellvertreterinnen und Stellvertreter mit einer Anstellung in einer anderen Kirchgemeinde kann die Kirchenpflege eine Kopie des dort eingereichten Sonderprivatauszugs anfordern.

6Die Sonderprivatauszüge der ordinierten Dienste werden vom Kirchenrat, diejenigen der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Kirchenpflege unbefristet aufbewahrt.

7Die Kosten für die Sonderprivatauszüge werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen und von der Arbeitgeberin zurückerstattet.

8Die Sonderprivatauszüge sind vertraulich zu behandeln.

9Weist ein eingereichter Sonderprivatauszug einen Eintrag auf, hat die Kirchenpflege unverzüglich die Fachstelle zu informieren. Die Fachstelle berät die Kirchenpflege und erlässt Handlungsempfehlungen.

IV.Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung

§ 10

Zielgruppen

1Die ordinierten Dienste und diejenigen angestellten, ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchgemeinden und der Landeskirchlichen Dienste, die in ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen Kontakt haben, unterzeichnen einen Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung (§ 134b Abs. 3 KO5).

2Zur Unterzeichnung eines Verhaltenskodexes mit Verpflichtungserklärung verpflichtet sind alle Pfarrerinnen und Pfarrer, Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone, Katechetinnen und Katecheten, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter mit einer Anstellungsverfügung.

3Die Kirchenpflege entscheidet, welche weiteren angestellten, ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen Kontakt haben, verpflichtet sind, einen Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung zu unterzeichnen.

§ 11

Durchführung

1Die Kirchenpflege gibt neu angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung ab. Die Verpflichtungserklärung wird von diesen unterzeichnet.

2Der Verhaltenskodex wird im Rahmen des Basiskurses im Blick auf das jeweilige berufliche Umfeld konkretisiert.

3Die ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten den Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung von der zuständigen Teamleitung. Sie besprechen den Verhaltenskodex mit dieser und konkretisieren ihn im Blick auf ihre kirchliche Tätigkeit. Die Landeskirche stellt dafür Unterlagen zur Verfügung. Die ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterzeichnen die Verpflichtungserklärung.

§ 12

Organisation

1Die Kontaktperson für Prävention stellt die Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung sicher.

2Unterzeichnet eine angestellte, ehrenamtliche oder freiwillige Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter die Verpflichtungserklärung nicht, so ist die Fachstelle zu informieren.

3Kopien des Verhaltenskodexes mit unterzeichneter Verpflichtungserklärung der ordinierten Dienste werden dem Kirchenrat, der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchenpflege eingereicht.

4Die Kopien des Verhaltenskodexes mit unterzeichneter Verpflichtungserklärung der ordinierten Dienste werden vom Kirchenrat, der übrigen angestellten, ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Kirchenpflege unbefristet aufbewahrt.

5Verstösst eine angestellte, ehrenamtliche oder freiwillige Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter gegen den Verhaltenskodex, so ist die Fachstelle zu informieren.

V.Schlussbestimmungen

§ 13

Übergangsbestimmungen

Sonderprivatauszüge sind von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemäss § 7 innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten dieser Verordnung einzureichen.

§ 14

Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 01. Januar 2019 in Kraft.

1SRLA 151.100.  

2SRLA 151.100.  

3SRLA 151.100.  

4SRLA 151.100.  

5SRLA 151.100.  

Verordnung zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen (Verordnung Prävention)

vom 27. Juni 2018 (Stand 01. Januar 2019)

© Reformierte Landeskirche Aargau, 2019

X1.3/C2.0/F2.2

Inhaltsverzeichnis

Verordnung zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen (Verordnung Prävention)

I.GrundsatzII.SchulungenIII.SonderprivatauszugIV.Verhaltenskodex mit VerpflichtungserklärungV.Schlussbestimmungen