Portrait Corinne Reusser, Mursi Sins - Reformierte Landeskirche Aargau


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Portrait Corinne Reusser Muri Sins
«Als PH-Verantwortliche habe ich in der Landeskirche bereits einen Kurs zur Prävention vor sexuellen Übergriffen besucht», erzählt Corinne Reusser und ergänzt: «Von solchen Angeboten profitiere ich als Kirchenpflegerin und Lehrerin.»
Foto: Carmen Frei

Engagiert, um anzukommen

«offen.freundlich.gastlich.» So verkauft sich die Reformierte Kirche Muri Sins auf ihrer Webseite und konkretisiert: «Wir sind die Kirchgemeinde zwischen Lindenberg und Reuss und umfassen 16 Ortschaften im Oberfreiamt.» Abtwil, Aristau, Auw, Beinwil, Besenbüren, Boswil, Bünzen, Buttwil, Dietwil, Geltwil, Kallern, Merenschwand, Mühlau, Muri, Oberrüti und Sins heissen die besagten Dörfer. In Merenschwand zu Hause ist Corinne Reusser und seit November 2017 Kirchenpflegerin.


Mit einem Lächeln im Gesicht und klein Noel auf dem Arm öffnet Corinne
Reusser die Türe zum Eigenheim im Familienquartier. Bevor das Gespräch
mit der 33-Jährigen in Fahrt kommt, dringt Lärm in die gute Stube. Fragend
schaut sie sich um, kann sich die höchst eigenartige Geräuschkulisse jedoch nicht erklären…bis ihr Pico, der Familienkater, in den Sinn kommt, der sich offenbar in einer versteckten Ecke als Klangkünstler verausgabt.
Als Corinne Reusser schliesslich zu erzählen beginnt, weitet sich das
Überschaubare ihres Lebens hier im Oberfreiamt rasant. Schnell wird klar, mit welchen Qualitäten sie sich in ihr Wirken als Kirchenpflegerin mit den
Schwerpunkten «Weltweite Kirche» und «Pädagogisches Handeln» (PH)
einbringen kann.

Global – lokal
Aufgewachsen in Spiez, ergriff sie nach dem «Gymer» in Thun das Studium in Bern und schloss es als Lehrperson Oberstufe mit Schwerpunkt Englisch und Französisch ab. Ihre Ausbildung finanzierte sie durch verschiedene Jobs mit; so arbeitete Corinne Reusser mit drogenabhängigen Menschen, absolvierte ein Praktikum im Schweizer Paraplegikerzentrum Nottwil und war Skilehrerin. Dann ging es hinaus in die Welt. In Neuseeland lebe sie ein halbes Jahr auf einer Farm, betreute und unterrichtete die vier Kinder der Gastfamilie und lebte ihre Passion, das Reiten. Nächste Station war Paris, wo sie als Au-pair ihr Französisch festigte. Bereits während des Studiums lernte sie ihren Mann kennen; seit sechs Jahren sind die Beiden verheiratet. 2010 erhielt Beat Reusser das Angebot, in
Malaysia die dortige Niederlassung einer Schweizer Firma aufzubauen.
Aus dem geplant einjährigen Auslandaufenthalt wurden schliesslich drei Jahre, während denen Corinne Reusser an einer internationalen Schule in Penang als Lehrerin tätig war. Das gleitschirmfliegende Paar reiste viel in Asien: Durch Thailand, Kambodscha, Indonesien. «Als Kirchenpflegerin mit dem Ressort Weltweite Kirche profitiere ich von diesen Erfahrungen», findet Corinne Reusser. So kann sie Dank dem persönlich Erlebten Nähe zu Projekten schaffen, welche zum Beispiel durch Aktionen in der Fastenzeit unterstützt werden.

Via Baar nach Merenschwand
Nach der Zeit im Ausland entschied sich das Ehepaar für die Familiengründung;
lebte und arbeitete zurück in der Schweiz zuerst in Baar. Durch den Arbeitsplatzwechsel von Beat Reusser ins Murimoos, wo er als Leiter des
Geschäftsbereichs Betriebe tätig ist, kam der Umzug nach Merenschwand
zustande. 2015 wurde Sohn Lorin geboren, seit kurzem sind Corinne und Beat
Reusser zudem Eltern von Pflegesohn Noel. «Ende letztes Jahr kam alles aufs Mal», nimmt es die Bewegungsfreudige sportlich. Reussers hegten den Pflegeelternwunsch zwar schon länger, besuchten letztes Jahr auch die
entsprechenden Kurse. Dennoch waren sie überrascht, wie schnell letztlich alles konkret wurde. «Es ist eine sehr schöne Aufgabe, die wir geniessen.
Im Vergleich zum eigenen Kind spüre ich nach den wenigen gemeinsamen
Wochen gegenüber unserem Pflegesohn noch Unsicherheit. Doch das Vertrauen
wächst täglich.» Hört man Corinne Reusser zu, die aktuell in Fahrwangen im Zwanzigprozentpensum eine sechste Klasse in Französisch unterrichtet, kommt unweigerlich die Frage auf, wie es möglich war, eine so vielbeschäftige Frau fürs Kirchenpflegeamt zu gewinnen.

Vitamin B
«Es war immer meine Idee, mich zu engagieren, um besser in dieser für uns neuen Gegend anzukommen», antwortet Corinne Reusser. Ihr Mann war der Botengänger, der das Anliegen zum Mitwirken in der Kirchenpflege nach Hause trug. «Sowohl durch Heidi Schmid, unsere Kirchenpflegepräsidentin und zudem Präsidentin des Vereins Murimoos, als auch durch Theres Leuenberger, die im Murimoos arbeitet und Kirchenpflegemitglied ist, kam die Verbindung zustande.»
Ausgerechnet in der Budgetsitzung ging Corinne Reusser ein erstes Mal
Kirchenpflegelust schnuppern. «Ich empfand die Zusammensetzung des
Gremiums spannend und die Aufgabe schien mir sinnvoll.» Nach den ersten
Monaten bilanziert sie: «Vieles läuft schon, die weiteren Möglichkeiten muss ich zuerst ausloten. Obendrein ist mein Engagement grundsätzlich planbar – somit ist bis jetzt alles gut.»

Wie weiter
Corinne Reusser weiss trotz dieses positiven Fazits um die Herausforderungen
in ihrer Aufgabe. «Austritte etwa sind ein Dauerthema, auch in unserer Kirchgemeinde». Persönlich kann sie die Skepsis gegenüber der Institution verstehen. «Doch möchte ich zeigen, wie engagiert Kirchenmitglieder nach wie vor sind, wie wertvoll ihr Wirken für die ganze Gesellschaft ist.» Offen. Freundlich. Gastlich. Für sie keine leeren Worte. Vielmehr lebt Corinne Reusser den Slogan der Reformierten Kirche Muri Sins.


Carmen Frei