Reformationsgeschichten Schöftland - Reformierte Landeskirche Aargau


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Reformationsgeschichte in Schöftland

Schöftland stellt ebenso wie das Ruedertal eine sogenannte «Twingherrschaft» dar, die also nach 1415 (Eroberung des Aargaus) Bern nicht direkt, sondern über einen lokalen Herrschaftsherrn (Twingherrn) unterstellt war. Bern war Lehensherr und verlieh das Mannlehen jeweils einer bernischen Adelsfamilie. Während der Reformationszeit (1528) war die Herrschaft Schöftland im Besitz der Familie von Luternau. Da Schöftland eine Twingherrschaft war, gibt es aus dieser Zeit nur wenige Informationen in den Quellen.

Die Kirche Schöftland ist eine der ältesten der Region. Sie dürfte um das Jahr 600 n. Chr. erbaut worden sein. Ihre Kirchgemeinde umfasst noch heute (neben Schöftland) die Dörfer Hirschthal, Holziken, Wittwil, Staffelbach und Bottenwil. Bis in die frühe Neuzeit wurden eine ganze Reihe weiterer Gemeinden aus der alten Grosspfarrei ausgesprengelt, nämlich Rued, Kirchleerau, Uerkheim, evtl. Kölliken, Moosleerau und Muhen.

Die Pfrund Schöftland zählte zu den am besten dotierten Pfründen des bernischen Aargaus. 1694 lag die Pfarrei auf dem 2. Platz, nur noch übertroffen von Auenstein.
Ob dies schon zur Reformationszeit der Fall war, ist nicht bekannt.


Die Prädikanten

Nach einem ersten Priester (Johannes Gingi von Lenzburg), der durch die Anerkennung der Berner Disputation 1528 zum reformierten Prädikanten geworden war, blieb die Pfarrei ab 1534 mehr als ein halbes Jahrhundert lang in der Hand der beiden Pfarrer Peter Widmer Vater und Sohn, beide von Gränichen. Sie amtierten von 1534–1578 (=44 Jahre!) sowie 1578–1587 (=9 Jahre).

Johannes Gingi aus Lenzburg war offenbar ein geistreich-witziger und auch etwas streitbarer Herr. Er war in katholischer Zeit als Stadtpfarrer in Mellingen vorgeschlagen, aber nicht gewählt worden.
1526 trat er die Stelle in Schöftland an, wurde aber in Mellingen wieder aktiv, als dort die Pfarrstelle frei geworden war. Er scheint im Intrigen- und Ränkespiel um die dortige Pfarrstelle mitgewirkt zu haben. Am 13. Januar 1528 unterzeichnete Gingi in Bern die 10 Schlussreden der Disputation und trat so zum neuen Glauben über.

Prädikant Gingi beschwerte sich 1530 über die Zahlungsmoral der Kirchgenossen, zumal, wie er sagte, bisher jeder Untertan dem Pfarrer jährlich ein vasnacht hun gegeben habe. Dies wollten die Schöftler nun aber nicht mehr tun, ausser wenn – sodie ironische Forderung der Kirchgenossen – der Pfarrer ihnen an der Herrenfasnacht ein gutes Mahl mit Gesottenem und Gebratenem offerieren würde. Weiter beklagte sich der Prädikant, dass er zudem einen helffer oder vicary mit seinem egemachel unterhalten (bezahlen) müsse. Prädikant Gingi wird gelegentlich als alter Feldkaplan der Reisläufer bezeichnet.

Der oben erwähnte jahrzehntelang  in Schöftland amtierende Nachfolger Gingis, Peter Widmer aus Gränichen, war ursprünglich katholischer Klostergeistlicher in Schöntal am oberen Hauenstein gewesen. Wegen «schlechtem Betragen» kam er 1523 nach Basel ins Gefängnis. 1528–1533 amtierte er in Waldenburg als reformierter Pfarrer und wechselte dann in die gut dotierte, reiche Pfarrei Schöftland.

Notizen zur Reformation in Schöftland

Die Quellen belegen, dass der letzte vorreformatorische katholische Geistliche in Schöftland – ebenso wie Kleriker in vielen anderen Pfarreien des Aargaus – mit einer Frau zusammenlebte und mit ihr sogar Kinder hatte. Dem 1520 eingesetzten Priester Rudolf Ammann aus Kulm wurde deshalb 1526 von der Berner Obrigkeit mit Entlassung gedroht. Doch er entschuldigte sich bei den Gnädigen Herren mit dem Hinweis, er hab die metzen von im than. Auch das Kind sei nicht in seiner Obhut (…der metzen halb, der er ein kind macht, gibt er für, er habs nit in siner pflicht).

Die  zunehmenden reformatorischen Aktivitäten in den Gemeinden der Grafschaft Lenzburg und im näheren Umfeld der Pfarrei Schöftland dürften den katholischen Priester beunruhigt haben. Er trat 1526 eine neue Pfarrstelle im solothurnischen Kestenholz an und wechselte später nach Rodersdorf, wo er 1544 starb.

In Schöftland muss es Taufgesinnte gegeben haben. Ob aber die von Heiz (Täufer im Aargau) aufgeführten kritischen Äusserungen des Heini von Schöftland dafür ein Beleg sind, ist nicht zwingend. Auf jeden Fall hatte Heini Bern öffentlich geschmäht und behauptet, dass diese den (Berner-)Oberländern Brief und Siegel gegeben hätten, das Vereinbarte aber nicht halten würden (Die hier erwähnten Reformationsunruhen im Berner Oberland fanden 1528 statt und endeten mit einer Niederlage der aufständischen Oberländer Gemeinden, die den katholischen Glauben beibehalten wollten).
Bern reagierte empfindlich auf die Schmähungen des Heini von Schöftland und liess ihn sowie weitere Zeugen nach Bern kommen, wo die Beteiligten verhört wurden. Heini wurde schliesslich inhaftiert, jedoch uff bürgschaft für lyb und guott wieder nach Hause entlassen.