Medienbericht Greise oder Weise Event Hochaltrige in der Gesellschaft 1Okt14 Aarau


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Greise-Weise Event 1Okt14 Podium
Abschliessendes Podium am Event "Greise oder Weise" am 1. Oktober in Aarau, v. li.: Pasqualina Perrig-Chiello (Referentin), Ruth Blum, Franz Eberle, Sabine Kuster (Moderation), Diana Schramek, Thomas Jenelten
Foto: Jiri Vurma

Hohes Altern will gelernt sein

Bericht von der Veranstaltung «Greise oder Weise? Das hohe Alter in unserer Gesellschaft» am 1. Okt. in Aarau

Ziel der Veranstaltung «Greise oder Weise? Das hohe Alter in unserer Gesellschaft» war, wider alle Vorurteile auf das Thema «Hochaltrigkeit» zu blicken. Den Organisatoren, Pro Senectute Aargau, Reformierte und Römisch-Katholische Landeskirche Aargau sowie dem Departement Gesundheit und Soziales gelang dieser Ansatz. Im Aarauer Kultur- und Kongresshaus loteten Fachleute am 1. Oktober die Chancen und Herausforderungen des hohen Alters und vor 350 Gästen anregend aus.


Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Bern, plädierte in ihrem Referat «Das hohe Alter – oder die Kunst in Würde mit Bürden umzugehen» für ein Altern als Chance für alle. Ausgehend von der Tatsache, dass das hohe Alter «verlustreich, weiblich, variantenreich und wenig erforscht» ist, skizzierte sie gesellschaftliche Herausforde-rungen im Zusammenhang mit Hochaltrigkeit. Gleichzeitig zeigte sie Möglichkeiten auf, wie der einzelne und die Gesellschaft mit dem hohen Alter umgehen können, damit es zum gesamtge-sellschaftlichen Gewinn werden kann.

Handlungsbedarf sieht Pasqualina Perrig-Chiello in drei Feldern: Der Generativität, also in der Verantwortung auch für die nachfolgenden Generationen, im Umgang mit dem Thema Einsamkeit und in der Herausforderung «Multimorbidität», sprich den komplexen Mehrfacherkrankungen älterer Menschen und dem daraus resultierenden Pflege- und Betreuungsaufwand für Angehörige und Fachkräfte. «Neues für das alte Alter», ist nach Ansicht von Pasqualina Perrig-Chiello gefragt oder wie es Stephan Campi, Generalsekretär im Departement Gesundheit und Soziales in seinem Grusswort formulierte: «Eine junge Alterspolitik».

Existenz ohne Funktion geht nicht
Was trotz Einschränkungen auch jenseits von 80, 90 Lebensjahren zum Wohlbefinden beiträgt zeigte die Referentin aufgrund einer Befragung hochaltriger Menschen in über 17 Ländern auf. Angeführt wird diese Zufriedenheits-Hitparade von der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, gefolgt von Gesundheit, sozialen Beziehungen, finanziellen Mitteln und Respekt, Anerkennung. Damit diese Voraussetzungen möglichst lange gegeben sind, muss der hochaltrige Mensch aktiv und neugierig sein, sich vielfältig stimulieren lassen, Selbstverantwortung übernehmen und mit sich selber und der Umwelt versöhnt den Alltag meistern.

Zentral dabei ist nach Ansicht von Perrig-Chiello, dass auch Hochaltrige eine Funktion in dieser Gesellschaft haben und einen Sinn in ihrem Leben sehen, oder wie die Referentin Friedrich Nietzsche zitierte: «Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie». Sie zitierte auch ausführlich aus den Kolumnen des hochaltrigen reformierten Pfarrers Otto Streckeisen: «Menschliche Reife besteht darin, dass man mit Freude Hilfe leisten, aber auch Hilfe annehmen kann».

Cool sein ist nicht das Ziel
Nach einem klangvollen Intermezzo, bei dem das gesamte Publikum, stehend, unter Leitung von René Dublanc ein paar Volkslieder aus dem neuen Liederbuch «Alperose» sang, rief Beat Waldmeier, Geschäftsführer von Pro Senectute Aargau, die Gäste zum abschliessenden Podium auf die Bühne.

Sabine Kuster moderierte den Abschluss der Veranstaltung zum internationalen «Tag der älteren Menschen». Die Redaktorin der Aargauer Zeitung führte knackig durch den kurzweiligen Austausch mit der Referentin und Diana Schramek, Leiterin kantonale Fachstelle Alter, Ruth Blum vom Seniorenrat Baden, Franz Eberle vom Seniorenrat Bad Zurzach und Heimseelsorger Thomas Jenelten. Die Runde bestätige das bisher Gehörte und bekräftige den Wunsch nach einem aktiven Altern im Sinne der zurzeit laufenden Kampagne zur Hochaltrigkeit: «Alles hat seine Zeit». Franz Eberle: «Es gilt, jeweils das Beste aus jedem Alter zu machen. «Greise» ma-che uns die leistungsorientierte Gesellschaft. «Weise» sind meiner Meinung nach jene, die sich auch im Alter nicht nur auf sich selbst zurückziehen, sondern sich in der Gesellschaft nützlich machen.» Daran anknüpfend forderte Pasqualina Perrig-Chiello: «Wir brauchen Vorbilder, die uns ein gutes hohes Altern lehren». Was schliesslich im Aufruf mündete, das Potential der älteren Menschen besser zu fördern. Nicht die Defizite sollen im Vordergrund stehen, sondern Angebote, die lehren, alt zu werden.

Carmen Frei
im Auftrag von:
Reformierte Landeskirche Aargau
Römisch-Katholische Landeskirche Aargau
Departement Gesundheit und Soziales Kanton Aargau
Pro Senectute Aargau


8 Fotos


Aufgeschaltet am 2. Oktober 2014
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