Medienbericht von der Synode am 5. Juni 2013 in Aarau mit Fotos


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Gottfried Locher an der Synode in Aarau
Der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, Gottfried Locher, spricht an der Synode am 5. Juni 2013 in Aarau
Foto: F. worbs

Eine positive Rechnung, ein erweiterter Öko-Fonds und kleine Überraschungen an der Sommersynode der Reformierten Landeskirche

Bericht von der Sommersynode der Reformierten Landeskirche Aargau vom 5. Juni 2013

148 Synodale haben am Mittwoch die Jahresrechnung der Landeskirche mit einem hohen Ertragsüberschuss, den Verkauf des alten Verwaltungsgebäudes in Aarau und eine befristete Aufstockung der Landeskirchlichen Dienste genehmigt. Bei der Teilrevision der Kirchenordnung gab es allerdings zwei Überraschungen. Synodepräsidentin Silvia Kistler begrüsste den Ratspräsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, Gottfried Locher. Er referierte über die Legislaturziele des SEK und die anstehende Verfassungsrevision des Kirchenbunds.


Medienmitteilung vom Mittwoch, 5. Juni 2013

Schon bei der sonst eher unspektakulären Beratung des Jahresberichts kam es zur ersten Überraschung des Tages. Mit einer mündlichen Motion, die nur bei diesem Traktandum möglich ist, verlangte der Synodale Urs Jost, Rheinfelden, eine Ausweitung der Aufgaben des Öko-Fonds der Landeskirche. Aus dem mit 300 000 Franken gut dotierten Öko-Fonds werden bisher die Kirchgemeinden bei der professionellen Beratung von Gebäudesanierungen und energiesparenden Massnahmen unterstützt. Jost möchte, dass in Zukunft nicht nur Beratungen sondern auch die Ausführung von energiesparenden Massnahmen finanziell unterstützt werden. Das würde deutlich höhere Ausgaben zur Folge haben. Kirchenrat Daniel Hehl, Präsident der Fondsverwaltung, nahm aufgrund der Erfahrungen in den ersten zwei Jahren die Motion gern entgegen. Denn in dieser Zeit konnten lediglich acht Energie-Beratungen mit jeweils 3000 – 10 000 Franken unterstützt werden. Der Kirchenrat sei bereit, bis 2014 der Synode eine Erweiterung des Fondsreglements vorzulegen.

Rechnung 2012 und Verwendung des Überschusses
Einstimmig bewilligt wurde die Rechnung 2012 der Zentralkasse der Reformierten Landeskirche, die bei einem Aufwand von 11'289'445 Franken mit dem einmalig hohen Ertragsüberschuss von 735'799 Franken abschliesst. Diskussionen gab es nur bei der Verwendung des Überschusses, den u.a. Daniel Strebel, Baden, vollständig dem Eigenkapital zuweisen wollte. Die Synode folgte aber mit grossem Mehr dem Antrag des Kirchenrates und der Geschäftsprüfungskommission, 492‘821 Franken, in eine spezielle Rückstellung einzulegen, um den reduzierten Beitragssatz der Kirchgemeinden von 2,3% über mehrere Jahre beizubehalten. 200‘000 Franken kommen in die Gemeindeausgleichskasse und 42‘977 Franken ins Eigenkapitel.

Bei der Jahresrechnung 2012 der Zeitung «reformiert.» Aargau sprach Lucien Baumgaertner, Zofingen, Präsident der GPK, den grossen Ertragsüberschuss von 241‘376 Franken an. Angesichts des bereits grossen Eigenkapitals der Zeitung sollte beim Budget 2014 eine Reduktion der Abonnementskosten für die Kirchgemeinden geprüft werden, sagte er an die Adresse der Herausgeberkommission.

Verkauf des ehemaligen Verwaltungsgebäudes in Aarau
Neben diesen für eine Sommersynode üblichen Geschäften ging es um den Verkauf der Liegenschaft an der Augustin-Keller-Strasse 1 in Aarau, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Landeskirche, an die Kirchgemeinde Aarau. Seit dem Bezug des Neubaus am Stritengässli in Aarau im Oktober 2011 werden die Büro- und Sitzungsräume an die HEKS Regionalstelle Aargau/Solothurn vermietet. Die Kirchenpflege Aarau beantragt der Kirchgemeindeversammlung ebenfalls am 5. Juni 2013, die Liegenschaft zum Preis von 1,6 Millionen Franken zu kaufen. Die Synode hat den Verkauf bewilligt. Der Erlös wird für künftige Renovationen zurückgestellt.

Stellenplan der Landeskirchlichen Dienste und ökumenische Seelsorgestellen
Das am intensivsten diskutierte Geschäft war die bis Ende 2015 befristete Aufstockung der Landeskirchlichen Dienste um 130 Stellenprozente. Dazu gehören Aufstockungen des Sekretariats (50%) und der Fachstelle für Menschen mit Behinderungen (30%) sowie eine neue 50%-Assistenzstelle für das Kirchenratspräsidium, die besonders umstritten war. Während Esther Meier, Brugg, im Namen der Fraktion Kirche und Welt diesen Antrag ablehnte, weil die Aufgaben intern verteilt werden sollten, setzte sich Doris Lüscher, Uerkheim, im Namen der Fraktion Freies Christentum dezidiert für eine Assistenz des Präsidiums ein. Lutz Fischer, Wettingen-Neuenhof, beantragte im Namen der GPK die Ablehnung der Assistenzstelle. Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg erläuterte die Aufgaben und die Dringlichkeit der Stelle aber so eindrücklich, dass die Synode die Assistenz schliesslich mit 100 zu 30 Stimmen bewilligte und die gesamte Aufstockung mit grossem Mehr genehmigte. Seit 1998 ist der Stellenumfang der Landeskirchlichen Dienste praktisch unverändert und beträgt 2470 Stellenprozente.

Befristet ist die Aufstockung, weil der Kirchenrat zurzeit eine Organisations- und Dienstleistungsanalyse der Landeskirchlichen Dienste und ihrer Angebote durchführen lässt. Die Ergebnisse sollen 2014 vorliegen und bis Ende 2015 umgesetzt werden.

Diskussionslos wurden dagegen die seit Jahren ökumenisch geführten Projektstellen Polizeiseelsorge und Gefängnisseelsorge in unbefristete, feste ökumenische Stellen umgewandelt. Die Synode war einhellig der Meinung, dass sich die beiden Angebote in der Projektphase sehr bewährt haben. Christian Bader, Aarau, bat aber vor allem im Blick auf die Polizeiseelsorge, die zurzeit mit einem römisch-katholischen Seelsorger besetzt ist, darum, dass die jeweiligen Stelleninhaber zum Beispiel bei Medienberichten nicht ihre eigene Konfession, sondern ihren ökumenischen Auftrag in den Vordergrund stellen.

Infrastruktur und Kirchenrecht
Unbestritten war auch ein Nachtragskredit für das Budget 2013 in der Höhe von 90'000 Franken zur Erneuerung der IT-Infrastruktur der Landeskirchlichen Dienste in Aarau, die schwerwiegende Sicherheitsmängel aufweist.
Bei der Teilrevision der Kirchenordnung gab es zwei Überraschungen. Bei der Neuregelung der Dekanatsleitung wurde auf Antrag von Ueli Kindlimann, Windisch, beschlossen, dass die Mitglieder der Dekanatsleitungen, die als Organe der Exekutive amten, nicht gleichzeitig Mitglieder der Synode, also der Legislative, sein können. Neu können ausser Pfarrerinnen und Pfarrern auch Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone in die Leitung der sechs Dekanate gewählt werden. Sie müssen mindestens fünf Jahre Berufserfahrung im Gemeindedienst aufweisen und eine entsprechende Weiterbildung absolvieren. Dekanate sind regionale Verwaltungseinheiten mit 10 bis 15 Kirchgemeinden.

Die zweite Überraschung kam in Form einer fast einstimmigen Zurückweisung der Änderungen des Rechtswegs in der Kirchenordnung, die eine Klärung der Zuständigkeiten der Schlichtungskommission beinhalteten. Die Änderungen wurden als verwirrend und unübersichtlich erachtet und müssen vom Kirchenrat noch einmal überarbeitet und vorgelegt werden. Alle anderen Änderungen in verschiedenen Rechtstexten wurden weitgehend diskussionslos von der Synode verabschiedet.

Der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds SEK, Pfr. Dr. theol. Gottfried Locher, besuchte zum ersten Mal seit seiner Wahl im Juni 2010 die Aargauer Synode. Er hielt ein Referat über die Legislaturziele des SEK bis Ende 2014, zu denen ein reformierter Predigtpreis, die Vorbereitungen des Reformationsjubiläums 2017 und vor allem die Verfassungsrevision des SEK gehören. Sie wurde am Dienstag öffentlich vorgestellt und geht nun in die Vernehmlassung. Der SEK möchte in neuer Gestalt von einem «Evangelischen Kirchenbund» zur «Evangelischen Kirche in der Schweiz» werden.
ria / F. Worbs


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Aufgeschaltet am 5. Juni 2013
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