Medienbericht Gesprächssynode am 16. Januar Lenzburg - Gewalt in der Kirche


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Diskussionen an der Gesprächssynode in Lenzburg
Diskussionen in Gruppen an der Gesprächssynode in Lenzburg
Foto: Roger Wehrli

Nicht immer einträchtig aber meistens partnerschaftlich – Synode spricht über Gewalt und Führung in der Kirche

Medienmitteilung von der Gesprächssynode am 16. Januar 2013 in Lenzburg

Über 120 Synodale der Reformierten Landeskirche Aargau haben am Mittwoch an einer ganztägigen Gesprächssynode in Lenzburg über Formen von Gewalt in der Arbeit und in der Führung der Kirche und der Gemeinden diskutiert. Das Thema hiess «Unsere tägliche Gewalt nimm uns heute». Entsprechend suchten die Synodalen nach Lösungen in Themengebieten wie Macht und Gewalt in der Führung von Gemeinden und Mitarbeitenden, unklare Strukturen im Aargauer Modell der Partnerschaftlichen Gemeindeleitung, oder Ausgrenzung und Gewalt durch Beharren auf Gewohnheiten und Traditionen, Jung gegen Alt und alt gegen neu. Der Kirchenratspräsident kündigte Konsequenzen an.


Medienmitteilung vom Mittwoch, 16. Januar 2013

Die Gesprächssynode, die nur alle zwei bis drei Jahre durchgeführt wird, knüpfte inhaltlich an den Kongress «Gesichter der Gewalt» vom November 2012 in Aarau an. Synodepräsidentin Silvia Kistler und Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg gingen in ihren Eingangsworten auf den Bezug zum Kongress und die Bedeutung der Gesprächssynode ein.

Der Theologe Detlef Hecking, Leiter der katholischen Bibelpastoralen Arbeitsstelle in Zürich und Lehrbeauftragter für Neues Testament an der Universität Luzern, brachte mit einigen prägnanten Sätzen über das Thema «Gewalt im Neuen Testament» die Diskussion in Schwung. Auf seine Frage im Blick auf den religiösen Kontext des Themas: «Wo liegt die Grenze zwischen Heiligem Zorn und Heiligem Krieg?» antwortete er selbst mit Erzählungen von Kirchengremien, deren Diskussionen er erlebt hat. In manchen sei das Ringen um den richtigen Weg irgendwann zu einem «Heiligen Krieg» eskaliert. Nach Ausführungen über das Buch der Offenbarung, in dem die meisten Gewaltschilderungen im Neuen Testament vorkommen, ging er auf die Bergpredigt Jesu ein: «Sie stellt die Opfer ins Zentrum» und nicht die Schuld der Täter. Durch das «Hinhalten der anderen Wange» ermutige Jesus sie, die Opferhaltung zu verlassen und mit einer Initiative der Stärke und Würde die Gewaltspirale zu durchbrechen. Man müsse in der Bergpredigt nicht von «Feindesliebe», sondern von «Entfeindungsliebe» sprechen, die die Gesetze der Rache und Vergeltung durchbricht und eine neue Dynamik der Versöhnung in Gang setzt, meinte Hecking.

In der ersten Gesprächsrunde am Vormittag analysierten die Synodalen unter Anleitung des Moderators Walter Vogt in elf Gruppen Bereiche und Themen, in welchen sie im Rahmen ihrer Arbeit in der Kirche Gewalt wahrnehmen und für die sie nach Lösungsansätzen suchen möchten. Es wurde ziemlich schnell klar, um welche der drei Formen von Gewalt, die der Organisationsberater Daniel Marek in seinem Input erläutert hatte, es innerhalb der Kirche geht: praktisch nie um physische Gewalt, sondern eher um psychische oder emotionale Gewalt in Auseinandersetzungen und um Formen von struktureller Gewalt in der Gemeindeleitung.

Folgende Themen schälten sich schnell heraus: Leitungsstrukturen und das Klima in den Kirchenpflegen, Umgang mit Macht und Gewalt bei der Führung von Mitarbeitenden und der Kirchgemeinde. Immer wieder kam dabei das Aargauer Modell der Partnerschaftlichen Gemeindeleitung der Kirchgemeinden, PGL, und das Konfliktpotenzial darin zur Sprache, wenn Kompetenzen und Aufgaben nicht geklärt sind oder Meinungsverschiedenheiten nicht im Konsens bereinigt werden können. Weil Konflikte und Bedürfnisse aus vermeintlich christlichen Gründen nicht offen zur Sprache gebracht werden, ende mancher «Schwelbrand mit einer Explosion». Manchmal würde der Freiraum, den die Kirche biete, von Mitarbeitenden aber auch durch Kompetenzüberschreitungen missbraucht.
Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg ging denn auch in seiner Zusammenfassung am Schluss speziell auf den Themenbereich der Gemeindeleitung und Mitarbeiterführung ein und versprach, ihn in die Legislaturziele des Kirchenrates aufzunehmen. Eine sorgfältige Evaluation des Modells der Partnerschaftlichen Gemeindeleitung solle die Chancen aber auch die problematischen Aspekte herausfinden, damit man das Modell verbessern könne.

Auch spezielle Fragen wurden gestellt: Sind Gewohnheiten und starre Traditionen auch eine Art strukturelle Gewalt? Das wurde auch in einem anderen Thema angesprochen: Ausgrenzen von Einzelnen und Gruppen oder deren besondere Privilegierung. Manchmal würde mit ungleichen Massstäben gemessen und Mitarbeitende unterschiedlich behandelt. Eine andere Gruppe brachte Generationenkonflikte zur Sprache: Jung gegen Alt, alt gegen neu. Eine Gruppe stellte fest, dass man mit dem «gelebten Evangelium» anecke, wenn man es mit innerer Überzeugung vertrete.

Der Tag wurde – wie es sich für eine reformierte Synode gehört – mit einem Gottesdienst beschlossen, der vom Tagungsleiter Jürg Hochuli zusammen mit der Theologin Irmelin Kradolfer und der Kirchenmusikerin Noëmi Schär am Klavier gestaltet wurde.

ria/ F. Worbs
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Aufgeschaltet am 16. Januar 2013
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