Einweihung Haus der Reformierten 2011 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Claudia Bandixen und Paul Klee setzen zu Beginn des Einweihungstages einen Rosenstock vor dem Haus der Reformierten
Foto: Roger Wehrli

«Haus der Reformierten» in Aarau mit Tag der Offenen Tür, Festakt und Nacht der Kirchen eingeweiht

Viel Transparenz und Offenheit und ein Name mit Anspruch

Mit fünf grossen und kleineren Anlässen wurde am Freitag, 21. Oktober, im Stritengässli in Aarau der von vielen Gästen gelobte Neubau der Reformierten Landeskirche Aargau unter dem Namen «Haus der Reformierten» eingeweiht: Mit einem Anlass für Nachbarn und einem Rosenstocks am Morgen, einem gut besuchten Tag der Offenen Tür mit über 250 Gästen und einem eindrücklichen Festakt mit gehaltvollen Grussworten unter anderem des Aargauer Landammanns und des Vizepräsidenten des Rats SEK. Den bedeutungsvollen Abschluss bildete die «Nacht der Kirchen» von 20 bis 24 Uhr im zeitweise überfüllten neuen Andachtsraum.


Medienmitteilung vom Sonntag, 23. Oktober 2011

Zu Beginn des Einweihungstags waren die Nachbarn der Landeskirchlichen Dienste aus dem Stritengässli und dem Pfrundweg im Tagungssaal des «Haus der Reformierten» eingeladen. Zur anschliessenden Eröffnung des Einweihungstages überreichte der Synodale Paul Klee aus Muri einen Rosenstock, den er an der Synode im Juni 2009 in Menziken am Ende einer lang andauernden Debatte zu setzen versprochen hatte. Das tat er dann auch zusammen mit Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen und Worten des Apostels Paulus: «Ich habe gepflanzt, … Gott aber hat das Gedeihen gegeben.»

Tag der Offenen Tür
Am Tag der Offenen Tür waren die Gänge und Büros von Anfang bis in die Mitte des Nachmittags durchgehend mit vielen Gästen, Synodalen, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen aus den Kirchgemeinden und aus landeskirchlichen Gremien, aber auch Quartierbewohnern gefüllt. Vor dem Eingang waren Zelte für die Verpflegung der Gäste aufgebaut. Aus einer grossen Gulaschkanone wurden über 200 Mittagessen ausgegeben. Im hellen und weitläufigen Foyer und Tagungssaal konnte man sich von einem Karikaturisten zeichnen lassen und eine Präsentation über die Entstehung des Neubaus anschauen. In den Sitzungszimmern im Erdgeschoss gab es spezielle Generationenangebote für Kinder direkt neben der Installation zum Alter «Wie alt sind Sie – wie sind Sie alt?». In den Büros im ersten und zweiten Stock standen dann die Angebote und Dienstleistungen der Stabsstellen und der vier Bereiche Finanzen, Seelsorge, Pädagogik und Animation und Bildung und Gesellschaft im Vordergrund. Viele Begegnungen und Gespräche ergaben sich auf den hellen, offenen Gängen und in den lichtdurchfluteten  Büros.
Der Bau, die offene Konstruktion der Treppen und Gänge, die verglasten Büros mit dem warmen Holzboden – fast alles fand breite Zustimmung, nicht nur unter den Angestellten, die erst vor vier Tagen die Büros bezogen hatten. Im zweiten Stock konnte man sich in der Cafeteria bei eigens kreierten «Stritenschnitten» erholen.

Festakt: Transparenz und offene Gestaltung als Sinnbild für die «Reformierten»
Die Übergabe des Gebäudes wurde mit einer feierlichen vierfachen Schlüsselübergabe von den Architekten über die zwei Bauherrschaften zur Synodepräsidentin und schliesslich zur Kirchenratspräsidentin vollzogen. Daran schlossen sich vier Grussworte an. Zu ihnen gesellten sich beim anschliessenden Abendessen noch weitere fünf Grussworte von Kirchenleitungen der Nachbarkantone und der Protestantischen Kirche in Elsass und Lothringen. Der ganze Anlass wurde vom Zürcher Streichquartett «Le Donne virtuose» musikalisch umrahmt.

Der Reigen der Schlüsselübergaben
Die beiden Architekten Philipp Kim und Thomas Strebel eröffneten den Reigen der Schlüsselübergaben mit einem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte, die mit einem Studienauftrag für die Gesamtüberbauung des Fretz-Areals im Stritengässli mit zwei Wohnhäusern und einem Bürogebäude bereits 2006 begonnen hatte. Thomas Strebel beschrieb das «Haus der Reformierten» als ein ungewöhnliche Gebäude, das eigentlich aus drei Häusern bestehe, einem öffentlichen Erdgeschoss, einem Bürotrakt und einem speziell gestalteten Andachtsraum.
Beat Hunziker, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Fretz & Co AG, der Bauherrin der Gesamtüberbauung, übernahm den Schlüssel und übergab ihn der Bauherrin und Eigentümerin des Bürogebäudes, der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche, vertreten durch ihren Stiftungsratspräsidenten Hans Peter Schaub. Dieser strich die Bedeutung der Wertanlage mit langfristiger, guter Rendite heraus. Über Synodepräsidentin Silvia Kistler als Repräsentantin der Landeskirche wanderte der Schlüsselbund zuletzt zu Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen als Vertreterin der eigentlichen Mieterin, des Kirchenrats und der Landeskirchlichen Dienste. Claudia Bandixen nahm den zweiteiligen Schlüsselbund in Empfang und fragte im Blick auf den sehr alten und den ganz neuen Schlüssel: «Der eine Schlüssel ist rostig, wirkt antik und man fragt sich, ob der wohl funktioniert? Das entspricht dem Bild von Kirche, das viele Menschen haben.» Die Realität der Kirche aber sei anders, betonte Bandixen und entspreche viel eher dem hochmodernen, elektronisch codierten Schlüssel am Bund, der tatsächlich zum neuen «Haus der Reformierten» passt. Die reformierte Kirche arbeite sehr effizient auf der Höhe der Zeit. Sie freue sich, dass die Landeskirchlichen Dienste dies nun auch in angemessen Räumlichkeiten und nicht mehr unter anderem in Küchen und Estrichzimmern, verteilt über mehrere Gebäude, tun müssten.

Grussworte: Die Schicksalsgemeinschaft von Kirche und Staat
Nachdem die Landeskirche ihren neuen Sitz offiziell übernommen hatte, überbrachte Landammann Urs Hofmann die Glückwünsche der Aargauer Regierung mit einer tiefgreifenden Ansprache über das Verhältnis von Kirche und Staat und die Bedeutung der Religion in der modernen Gesellschaft. «Sich als kantonale Landeskirche im öffentlichen Raum präsent zu zeigen und in die Zukunft zu investieren, zeugt von Zuversicht, Selbstvertrauen und auch Mut», betonte er, besonders in einer Zeit, in der Religion immer unverbindlicher werde und das Wissen um christliche Werte und Traditionen abnehme.
«Den staatlichen Institutionen geht es in dieser Hinsicht nicht besser», knüpfte er im Blick auf das politische Interesse in der Bevölkerung an. «Das Schicksal öffentlichen Desinteresses scheint Kirche und Politik heute in ähnlicher Weise zu treffen: … Tiefe Stimmbeteiligungen bei vielen Abstimmungen und leere Kirchenbänke am Sonntag scheinen Ausdruck unserer Zeit zu sein.» Die heutige Vielfalt und Unverbindlichkeit von Religiosität berge aber auch Gefahren für Staat und Gesellschaft. Eine eigene, individuelle Religion ohne öffentlichen Diskurs und ohne Theologie sei anfällig für Fanatismus und Fundamentalismus. Glaube müsse eingebettet in die gesellschaftliche Kultur praktiziert werden. «Der christliche Glaube ist Teil unserer Kultur und Tradition, … Religion ist eine wichtige Klammer für unsere Gesellschaft.»
Deshalb müsse die Kirche eine wichtige Stimme für Solidarität, Menschenwürde und Freiheit bleiben und Sinn, Gemeinschaft, soziale Hilfe und kulturelles Bewusstsein fördern. Den Landeskirchen komme eine besondere historische Bedeutung zu, die gleichzeitig eine Verpflichtung zur Unterstützung der Gesellschaft durch ihr sichtbares Engagement im Staat sei.

Peter Schmid, Vizepräsident des Rats des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds SEK, nahm den Ball auf und ging mit einem Zitat von Karl Barth von 1941 auf die Bedeutung des «Schweizer» Kreuzes als christlichem Symbol auf der Schweizer Fahne ein, das heute wieder zur Diskussion gestellt werde. Das Konzept der unverbindlichen Toleranz sei gescheitert, wenn eine Gesellschaft keine eigene religiöse und kulturelle Identität mehr hätte, die auch gelebt würde. Die Kirche müsse eine profilierte religiöse Toleranz fordern. «Das deutlich sichtbare und zugleich transparente <Haus der Reformierten> in Aarau ist ein sichtbarer Beitrag zur profilierten religiösen Toleranz in der Öffentlichkeit.»

Luc Humbel, Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau, zeigte sich beeindruckt vom Namen «Reformierte», dessen tiefere Bedeutung auch der katholischen Kirche gut anstehen würde, und vom transparenten und offen wirkenden «Haus der Reformierten». «Wenn die Katholiken die Reform je schaffen, hat es dann hier noch Platz?» fragte er augenzwinkernd und überbrachte als Geschenk ein Bild des Zürcher Künstlers Max Rüedi.

Bedeutungsvoller Abschluss mit einer «Nacht der Kirchen»
Zum Schluss des Einweihungstages ging es in den Andachtsraum. Zu Anfang, um 20 Uhr, standen die vielen Teilnehmenden an der «Nacht der Kirchen», die keinen Platz auf den ca. 30 Stühlen gefunden hatten, an den Wänden bis in den Eingang hinein. Mit der «Nacht der Kirchen» hat die Landeskirche am Ende des Einweihungstages einen starken Akzent gesetzt. Im Halbstundentakt fanden während vier Stunden bis Mitternacht im Andachtsraum gottesdienstliche Feiern statt. Vertreterinnen und Vertreter aus acht Kirchen, Werken, Gruppen und Institutionen feierten mit einer auch zu später Stunde ansehnlichen Schar Abend- und Nachtgebete, Andachten und Meditationen gemäss ihrer je eigenen Tradition. Eine würdevolle, mehr noch, eine bedeutungsvolle Form, die Arbeit im «Haus der Reformierten» aufzunehmen.



ria / F. Worbs, ca. 9000 Zeichen, 1250 Wörter






Aufgeschaltet am 23. Oktober 2011
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