Freispruch Aargauer Pfarrer 2010 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Aargauer Pfarrer vom Bezirksgericht Zofingen von allen Vorwürfen freigesprochen

Stellungnahme des Kirchenrates - Medienmitteilung vom Donnerstag, 17. Juni 2010
 
Das Bezirksgericht Zofingen hat heute in erster Instanz den reformierten Pfarrer aus dem Kanton Aargau, der wegen schwerer sexueller Übergriffe von seiner inzwischen erwachsenen Tochter beschuldigt wurde, in allen Anklagepunkten freigesprochen.


Bis zum Eintreffen des schriftlichen Urteils ist der Pfarrer noch beurlaubt. Für die weiteren Schritte im Disziplinarverfahren des Kirchenrates sind einerseits die schriftliche Urteilsbegründung und andererseits die Rechtskräftigkeit des Urteils von Bedeutung. Es wird erst dann weitergeführt, wenn die die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt und wenn klar ist, ob die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil rekurriert oder nicht. Der Kirchenrat überprüft dann, ob das Disziplinarverfahren eingestellt werden kann.
 Der Kirchenrat der Reformierten Landeskirche und die Kirchenpflege der betroffenen Kirchgemeinde Thalheim drücken der Tochter des Beklagten ihr Mitgefühl für ihre seit Jahren andauernde belastende Lebenssituation und die daraus erwachsenen Folgen bis hin zu diesen Vorwürfen aus. Sie bedauern aber auch die Auswirkungen auf das Leben und die Amtsführung des betroffenen Pfarrers, insbesondere durch die Art der Berichterstattung einzelner Medien.
 
An die Amtsführung von reformierten Pfarrerinnen und Pfarrern werden auch in der modernen Gesellschaft nach wie vor hohe moralische Ansprüche gestellt. Sie stehen immer wieder im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Deshalb legte die betroffene Kirchenpflege zwei Jahre lang und legt der Kirchenrat so grossen Wert darauf, dass niemand entgegen seinen eigenen Aussagen vorverurteilt wird und dass die Unschuldsvermutung ernst genommen wird.
 
Auf der anderen Seite müssen aber generell mögliche Betroffene von Verfehlungen in der pfarramtlichen Tätigkeit sofort geschützt und ernst genommen werden. Strafrechtlich relevante Verfehlungen bringt der Kirchenrat zur Anzeige und lässt sie von den staatlichen Behörden abklären. Nicht strafrechtlich relevante Vorwürfe werden im Rahmen eines kirchlichen Disziplinarverfahrens abgeklärt.
 
Die zuständige Kirchenpflege nahm die Untersuchung gegen ihren Pfarrer, die schliesslich zur Anklage führte, von Anfang an sehr ernst und war sich über ihre Sorgfaltspflicht sowohl als Behörde, die eine Kirchgemeinde leitet als auch als Arbeitgeberin bewusst. Sie hat aufgrund der Vorwürfe vorsorglich weitgehende Auflagen in der pfarramtlichen Tätigkeit angeordnet.
 
Die Kirchenpflege wird noch heute Abend ihre Kirchgemeinde über das Verfahren und den aktuellen Stand persönlich informieren.
 
Der Kirchenrat der Reformierten Landeskirche hat das in diesen Situationen übliche Disziplinarverfahren sofort eingeleitet. In Fällen, in denen schwerwiegende und begründete Vorwürfe im Bereich sexueller Übergriffe gegen eine Pfarrerin oder einen Pfarrer erhoben werden, eröffnet der Kirchenrat grundsätzlich ein Disziplinarverfahren gegen den betroffenen Pfarrer oder die Pfarrerin und suspendiert ihn oder sie vorsorglich vom Dienst, bis die Vorwürfe abgeklärt sind.
 
Sobald das Gerichtsurteil rechtsgültig ist, ist es von grösster Bedeutung, dass allen Betroffenen – auch der Klägerin – in diesem Verfahren das grösste Verständnis für ihre Situation entgegengebracht wird. Das gilt auch für die Medien, die angehalten sind, die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre aller Betroffenen, auch der Klägerin, zu respektieren.



ria / F. Worbs



Aufgeschaltet am 17. Juni 2010
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