Synodebericht Kirchenordnungsrevision 2010 - Reformierte Landeskirche Aargau


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MM_Synode_Bericht_28Apr10_Aarau_Kirchenordnungsrevision
Synode am 28. April 2010 im Grossratssaal in Aarau
Foto: F. Worbs

Neue Kirchenordnung der Reformierten Landeskirche an einem Tag vollständig beraten

Synode diskutiert vor allem über die Taufe

Nach drei Jahren intensiver Vorarbeit hat die Synode der Reformierten Landeskirche Aargau am Mittwoch im Grossratssaal in Aarau die neue, gesamtrevidierte  Kirchenordnung an einem einzigen Sitzungstag durchberaten. Synodepräsident Daniel Hehl führte die 140 anwesenden Synodalen straff durch die Diskussion der 158 Paragraphen. Die Diskussion konzentrierte sich auf die zentralen kirchlichen Feiern und Handlungen wie Abendmahl, Taufe und Konfirmation. Die meisten Paragraphen waren aber unumstritten.


Medienmitteilung vom Mittwoch, 28. April 2010

Die einführenden Paragraphen zu den Grundlagen der Landeskirche und der Kirchgemeinden sowie zur Mitgliedschaft wurden weitgehend diskussionslos in der vorgeschlagenen Form verabschiedet. Darin wird der Grundauftrag der Kirche, «das Evangelium zu verkündigen», in neuer Form erklärt: «… durch Gottesdienst, Seelsorge, Diakonie, Pädagogisches Handeln, Bildung, Mission, Ökumene und Verwaltung». Neue Formen der Mitgliedschaft wie die freie Wahl der Kirchgemeinde wurden im Rahmen der Revision nicht vorgeschlagen. Grössere Änderungen sollen als separate Vorlagen in späteren Synoden behandelt werden.
 
Sakramente Taufe und Abendmahl am meisten diskutiert
Grössere Diskussionen entzündeten sich erst an den Ausführungen zum «Auftrag der Kirchgemeinden», zu dem die zentralen kirchlichen Feiern und Handlungen wie Gottesdienst, Abendmahl, Taufe und Konfirmation, Trauung und Abdankung gehören. Im Zentrum des Interesses standen Taufe und Abendmahl, die beiden einzigen Sakramente der reformierten Kirche.
 
Beim Abendmahl (§23) wurde diskutiert, ob betont werden müsse, dass auch Kinder zum Abendmahl eingeladen sind und ob wirklich «alle», auch Angehörige anderer Religionen, daran teilnehmen dürfen. Der Kirchenrat und viele Synodale plädierten für die vorliegende, möglichst offene Formulierung der Einladung: «alle, welche die Gemeinschaft mit Christus und seiner Gemeinde suchen». Niemand soll vor dem Abendmahl überprüft werden, ob er berechtigt sei, daran teilzunehmen.
 
Wie christlich müssen Eltern und Paten bei der Taufe sein?
Am meisten Zeit wurde aber auf Aspekte der Taufe verwendet: Der Kirchenrat möchte neu im §25 der Kirchenordnung regeln, was bisher nicht festgelegt war: mindestens ein Elternteil und der Täufling sollen bei der Taufe der reformierten Kirche angehören. Die beiden Taufpaten sollen zumindest einer christlichen Konfession angehören, das heisst sie können z.B. auch katholisch oder orthodox sein, müssen aber Mitglied einer Kirche sein. In der Diskussion wiesen einige Pfarrer in der Synode darauf hin, dass ein Kind oft erst mit einem Jahr getauft wird, während Gotte und Götti meistens schon seit der Geburt feststünden. Die Kirchenordnung unterscheidet das Patenamt mit seiner Aufgabe der Begleitung im christlichen Glauben aber nicht von der gesellschaftlichen Tradition von Gotte und Götti. Die Synode hielt an der vorgeschlagenen Zugehörigkeit der Paten zu einer christlichen Konfession fest mit dem Hinweis darauf, dass im nächsten Satz ausdrücklich «Ausnahmen aus seelsorgerlichen Gründen möglich sind». Konkret bedeutet dies: der Pfarrer oder die Pfarrerin können über Ausnahmen entscheiden. Lutz Fischer-Lamprecht, Synodaler und Co-Präsident des Aargauer Pfarrkapitels, hatte darauf verwiesen, dass gemäss einer internen Umfrage die weitaus meisten Pfarrerinnen und Pfarrer auch Paten akzeptieren würden, die nicht einer Kirche angehören und eine flexible Praxis begrüssen würden.
Ein Antrag, die Möglichkeit von Ausnahmen zu streichen, wurde dann auch ebenso klar verworfen wie der Antrag, die Bestimmungen zur Konfessionszugehörigkeit ganz zu streichen, weil es ja in erster Linie um den Täufling und nicht um Eltern oder Paten ginge.

Auch weitere Alternativen fanden in der Diskussion keine Mehrheit, wie die Paten sollten «sich zum christlichen Glauben bekennen» statt einer Kirche angehören oder dass auch Konfessionslose grundsätzlich Paten werden könnten, wenn sie «dem Taufversprechen zustimmen» könnten. Allerdings beschloss die Synode dann doch noch eine Verschärfung der Regelung: Die «Ausnahmen aus seelsorgerlichen Gründen» sollen nur bei den Paten möglich sein und nicht – wie es der Text offen liess – auch bei der Kirchenzugehörigkeit mindestens eines Elternteils. Werden Taufen, Trauungen oder Abdankungen auswärts durchgeführt, ist das Einverständnis des Pfarramts am Ort der kirchlichen Handlung nötig.
 
Die Einmaligkeit der Taufe sorgfältig diskutiert
Besondere Beachtung fand eine beeindruckende theologische, teilweise auch sehr persönliche Diskussion über die Möglichkeit einer Wiedertaufe, die durch die eindeutige Bestimmung in §24 «Die Taufe ist einmalig» ausgeschlossen ist. Die Synodale Charlotte Hächler meldete Bedenken gegen die Kindertaufe an und betonte die Bedeutung einer Wiedertaufe aufgrund einer neuen persönlichen Beziehung zu Jesus.
Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen verwies nicht nur auf die Bestimmungen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds sondern auch auf andere ökumenische Verpflichtungen. Keine andere Kirche propagiere Wiedertaufen, selbst wenn sie die Erwachsenentaufe pflegen würde. Die Synode bestätigte die Einmaligkeit der Taufe eindeutig.
 
Kindersegnung und Konfirmation
Auch über Kindersegnung und Konfirmation wurde diskutiert. Jürg Hochuli fand Gehör mit seiner Forderung, dass bei dem neu in der Kirchenordnung aufgenommenen §26 zur Kindersegnung, diese nicht nur «auf Wunsch» sondern immer in einem Gemeindegottesdienst vollzogen werden soll, damit es keine privaten Sonderformen gibt. Bei der Konfirmation (§27) hingegen wurde der Wunsch von Timothy Cooke abgelehnt, die Verbindung zur Taufe und das aktive Ja der Konfirmandinnen und Konfirmanden zum christlichen Glauben stärker zu betonen. Die im Aargau aussergewöhnliche Definition der Konfirmation nicht als Taufbestätigung sondern als Segnungsfeier und Übergangsritual müsse separat und nicht an dieser Stelle in Frage gestellt werden, hiess es. §28 zur Trauung wurde auf Antrag von Emil Gafner ergänzt: Auch Trauungen sollen – wie Abdankungen – im nächsten Gemeindegottesdienst bekannt gegeben werden.
 
Synode und Kirchenrat – keine Amtszeitbeschränkung
Wesentliche Änderungen oder Diskussionen gegenüber dem kirchenrätlichen Entwurf der Gesamtrevision gab es dann erst wieder bei den Ausführungen zur Organisation der Landeskirche. Franziska Zehnder beantragte im Auftrag der Geschäftsprüfungskommission, GPK, im §103 die notwendige Zahl von Unterschriften für die Einberufung einer ausserordentlichen Synode von 30 auf 50 zu erhöhen. Die Änderung wurde übernommen. Die Befugnisse der Synode, §104, hatte der Kirchenrat bereits im Entwurf erweitert: Die Synode wählt künftig – auf Antrag des Kirchenrates – die Aargauer Delegierten in der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, SEK. Die Synode hatte nichts dagegen.
 
Bei der Wahl des Kirchenrates, §106, diskutierte die Synode plötzlich intensiv über eine von der GPK vorgeschlagene Begrenzung der Amtszeit des Kirchenratspräsidiums auf drei Amtsperioden. Im Interesse einer Stärkung des politischen Amtes lehnte die Synode dies aber mit grosser Mehrheit ab.
 
Wenig Wortmeldungen im letzten Drittel
In der weiteren Beratung der §§114 – 157, Beauftragte der Landeskirche (Dekanate), Finanzhaushalt, Aufsicht und Disziplinarverfahren sowie Rechtsschutz gab es nur noch ganz vereinzelte Wortmeldungen und Änderungsanträge. Erst im Kapitel «Demokratische Rechte» liess der Synodale Hans-Peter Tschanz die doch schon deutlich gelichteten Reihen noch einmal aufhorchen mit dem Vorschlag, ein Referendumsbegehren für Kirchenpflegen einzuführen. 20 Kirchenpflegen sollten seiner Meinung nach das Referendum gegen einen Synodeentscheid verlangen können. Zu einer Abstimmung kam es aber nicht, weil Claudia Bandixen die Idee aufnahm und versprach, sie von einer Fachgruppe prüfen zu lassen.
 
Nach fast sechs Stunden Beratung rief Synodepräsident Daniel Hehl die Übergangs- und Schlussbestimmungen in §158 auf. Die Schlussabstimmung über die ganze Kirchenordnung und die Anträge des Kirchenrates vertagte er dann aber doch auf die nächste Synode am 9. Juni in Zofingen. Auch allfällige Rückkommensanträge, von denen bereits die Rede war, würden dann behandelt. Dem Ziel der Gesamtrevision, die neue Kirchenordnung zusammen mit dem neuen Organisationsstatut Anfang 2012 in Kraft zu setzen, ist der Kirchenrat mit dieser Synode ein grosses Stück näher gekommen.
 


ria / F. Worbs (8355 Zeichen, 1123 Wörter)



Aufgeschaltet am 29. April 2010
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