C. Bandixen zur Kirchenordnungsrevision 2010 - Reformierte Landeskirche Aargau


Stritengässli 10 · Postfach · 5001 Aarau · Telefon 062 838 00 10 · www.ref-ag.ch · ag@ref.ch


Startseite Kontakt Login Sitemap ___________________

Die Reformierte Landeskirche für die Zukunft fit machen

Die Kirchenratspräsidentin zur Kirchenordnungsrevision
 
Die Arbeit an der Kirchenordnung war von Anfang an geprägt von hohem Engagement und viel Freude am sinnvollen Ordnen und Überdenken unserer Form, Kirche zu sein. Drei Arbeitsgruppen, koordiniert und zusammengefasst in der Koordinationskommission, haben einen ersten Kirchenordnungsentwurf Ende 2008 dem Kirchenrat übergeben. Dieser Entwurf war das Resultat einer zweijährigen intensiven Arbeit. Er wurde vom Kirchenrat beraten und 2009 in die Vernehmlassung geschickt. Überprüfung der Resultate, Vernehmlassung und die Bearbeitung der Rückmeldungen haben etwa ein Jahr in Anspruch genommen.


Dass die Arbeit derart reibungslos funktioniert hat, ist vor allem dem guten Zusammenspiel zwischen Arbeitsgruppen, Koordinationskommission, Kirchenrat, und Geschäftsprüfungskommission zu verdanken. Sie alle haben konzentriert und mit grosser Pünktlichkeit gearbeitet. Im ganzen Prozess war die kompetente Begleitung durch die schriftführende Juristin Tanja Sczuka und den Leiter Theologie und Recht, Philippe Woodtli, wichtig und deutlich spürbar.
 
Warum eine Revision
Die Kirchenordnung ist das Grundwerkzeug für das Funktionieren unserer Kirche und ihrer Gemeinden. Sie definiert, was für wen und wann gilt, wie unsere kirchliche Struktur gelebt und wie ein demokratischer Ablauf gesichert wird. All das wird seit 1896 in der sogenannten Kirchenordnung festgehalten. Die letzte Kirchenordnungsrevision war 1976. Die Welt hat sich inzwischen stark verändert. Die Kirchenordnung musste immer wieder in Detailrevisionen angepasst werden Dadurch ist sie zu einem richtigen Patchwork geworden, sowohl inhaltlich, als auch sprachlich und strukturell. Es gab viele Verdoppelungen. Die Regelungen waren nicht immer eindeutig eingeordnet und vor allem: Was früher selbstverständlich war, nicht einmal erwähnt werden musste, fehlte in unserem Kirchengesetz oder ist in nicht mehr genügend aktueller Form festgehalten. Ein stark diskutiertes Beispiel dafür ist die Frage der Kirchenmitgliedschaft von Eltern und Patern bei einer Taufe.
Als Grundlagen der Revision dienten neben andere Quellen die Bibel, die Tradition der Aargauer Landeskirche, die aktuelle Kirchenordnung, die Ergebnisse der Gesprächssynode 2006 «Was sind uns Werte wert?» und das Leitbild der Landeskirche.
 
Fünf typische Linien im Aargau
Typisch für unsere reformierte Landeskirche Aargau sind die fünf folgenden Linien, die auch in der neuen Kirchenordnung sichtbar sind:

1. Die Landeskirche ist demokratisch aufgebaut und basisorientiert:
Die Grundentscheide trifft das «Parlament» der reformierten Landeskirche, die Synode. In ihr sind alle Kirchgemeinden vertreten. Die Synode funktioniert seit ihrem Entstehen 1866 nach den Regeln des schweizerischen Demokratieverständnisses. Diese synodale Grundstruktur der reformierten Landeskirche zeigt sich auch in der hohen Autonomie der Kirchgemeinden. Die Landeskirche unterstützt die Kirchgemeinden und setzt die Beschlüsse der Synode durch. Diese basisnahe Funktionsweise der Landeskirche prägt auch den Entwurf der neuen Kirchenordnung. Sie beginnt mit den inhaltlichen Grundlagen und geht vom einzelnen Mitglied aus, behandelt dann zuerst die Kirchgemeinde und erst im zweiten Teil die kantonalen Strukturen.

2. Stark in Fragen der Menschenwürde und der Menschenrechte:
Die sorgfältige Begleitung von Kranken und Sterbenden gehört seit ihrem Bestehen zu ihren Kernaufgaben. Sie setzt sich für Menschen ohne Stimme ein, z.B. seit den 70er Jahren gegen die Apartheid in Südafrika, also zu einer Zeit, als noch wenige in der Schweiz die Stimme dagegen zu erheben wagten. Sie setzt sich für Religionsfrieden und Religionsfreiheit hier in der Schweiz und an verschiedenen Brennpunkten in der Welt ein (z.B. im Projekt «100 Kirchgemeinden für Religion in Freiheit und Würde»). Dies macht sie gemeinsam mit anderen Kirchen und Institutionen z.B. mit mission 21. Der Grundauftrag der Kirche wurde in der neuen Kirchenordnung in der Präambel kurz und ausdrucksstark formuliert. Die Synode hat sie im November 2009 diskutiert und angenommen.
 
3. Überzeugend in der Gleichberechtigung von Frau und Mann:
Die Reformierte Landeskirche Aargau übertrug Frauen bereits höchste Ämter, als es politisch noch keine einzige Regierungsrätin gab. Pfarrerin Sylvia Michel wurde bereits 1980 im Aargau zur ersten Kirchenratspräsidentin in Europa gewählt. Sie unterstützt und ermutigt diese Gleichberechtigung weltweit durch ihr Beziehungsnetz und den Sylvia-Michel-Preis. Sie verfügte als erste Schweizer Landeskirche bereits 1996 über einen Leitfaden für gendergerechte Sprache. Er ist noch heute aktuell und anerkannt. Die sprachliche Gleichstellung von Mann und Frau ist auch in der neuen Kirchenordnung konsequent angewandt. Die notwendigen Anpassungen aufgrund der gendergerechten Sprache waren einer der Gründe für die Gesamtrevision.
 
4. Gleichberechtigte Gemeinschaft aller Mitglieder, keine Hierarchie
Auch die neue Kirchenordnung stellt unverändert die drei Dienste der Kirche in der Gemeindeleitung gleichberechtigt nebeneinander. Das unveränderte Modell der Partnerschaftlichen Gemeindeleitung (PGL) bedeutet: Pfarrerinnen und Pfarrer werden ebenso wie Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone ordiniert und vom Volk gewählt und leiten zusammen mit den ehrenamtlichen Kirchenpflegemitgliedern die Kirchgemeinde.
 
5. Hoher Stellenwert der Diakonie
Die Landeskirche lebt ihr diakonisch-soziales Engagement auf unterschiedlichen Ebenen. Die Reformierte Landeskirche hat viele wesentliche und nötige soziale Institutionen im Aargau für Menschen auf der Schattenseite gegründet und später in die Selbstständigkeit entlassen, so dass deren kirchliche Wurzeln oft vergessen gingen. Dazu gehören die Stiftung Schürmatt, Satis in Seon, die Stollenwerkstatt in Aarau und die Dargebotene Hand Telefon 143.
Die Reformierte Landeskirche sorgt für eine hohe Qualität ihrer Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone. Das diakonische Amt, das in der Bibel begründet ist, dauert in der Regel ein ganzes Leben. Deshalb werden Sozialdiakone und Sozialdiakoninnen im Aargau in einer eigenen Form ordiniert. Die Kirchgemeinden setzen sich vor Ort und seit ihrem Bestehen durch Kollekten, Sammlungen und ehrenamtliche Arbeiten für Schwächere ein. Die Kirchenordnung benennt und bestätigt dieses Engagement auf vielen verschiedenen Ebenen.
 
Sanfte Revision
Bei der Kirchenordnungsrevision handelt es sich um eine sanfte Revision, d.h. was die Reformierte Landeskirche Aargau ausmacht, soll in aktueller Form und leicht verständlich befestigt und bestätigt werden.
Gesetzlich geregelt werden soll auch hier nicht so viel wie möglich, sondern nur soviel, wie nötig ist. Die Kirchenordnung soll für die Kirchgemeinden und Mitglieder eine Hilfe sein, um ihren Grundauftrag als gelebte Kirche in der im Aargau gewachsenen Form verbindlich gestalten und leben zu können.
Wesentliche Änderungen sind nicht erfolgt. Wo sie nötig sind, wie z.B. bei der Erneuerung des Organisationsstatuts, sind sie gesondert und vertiefter zu behandeln und der Synode in einer eigenen Vorlage vorzulegen.
Die Arbeit an der Kirchenordnung hat die Struktur und die Regelungen gründlich durchleuchtet und überprüft. Die Vernehmlassung hat eine hohe Zustimmung insgesamt zur Vorlage gezeigt. An den kommenden drei Synoden im April, Juni und November 2010 werden Details und der endgültige Text Paragraph für Paragraph diskutiert und bestimmt werden.
Claudia Bandixen, Präsidentin der Koordinationskommission der Kirchenordnungsrevision



Meldung verfasst von: Claudia Bandixen.




Aufgeschaltet am 15. April 2010
zurück...