Vorschau Synode 2009 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Vorschau auf die Synode am 11. November 2009: Was wird aus dem Tagungshaus Rügel, und was ist der tragende Grund der Reformierten?

Medienmitteilung vom Dienstag, 3. November 2009
 
Am 11. November beraten die 180 Synodalen der Reformierten Landeskirche Aargau im Grossratssaal in Aarau über die grundlegende Einleitung der neuen Kirchenordnung und die Zukunft des Tagungshauses Rügel bei Seengen. Neben diesen beiden wichtigsten Traktanden geht es im Parlament der Reformierten Landeskirche um das Budget 2010 der Landeskirche und die Weiterführung der ökumenischen Fachstelle an der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Stiftungsprofessur in Basel.


Die Grundlagen der reformierten Kirche in der Kirchenordnung
Die neue Kirchenordnung soll im Gegensatz zur alten eine Präambel bekommen, eine Einleitung die mit kurzen, prägnanten Sätzen die Grundlagen der reformierten Kirche beschreibt. Sie beruht auf dem Grundsatz des Organisationsstatus, dass die Reformierte Landeskirche Aargau "Teil der weltweiten Christenheit" ist und sich zusammen mit den Kirchen der Reformation allein dem Wort Gottes unterstellt. Ihr Auftrag ist, "das Evangelium von Jesus Christus den Menschen jeder Herkunft, aller Schichten und Sprachen nahezubringen“.

Die Präambel will darüber hinaus die Glaubensrealität in der reformierten Kirche ohne Anspruch auf Vollständigkeit beschreiben:
"Das ist der tragende Grund unserer Kirche: Die allumfassende Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart. Und der Glaube an den dreieinigen Gott. Der tragende Grund der Reformierten Landeskirche Aargau. Unsere Kirche ging aus der Reformation hervor und erneuert sich stets aus der Bibel im Dialog ..."

In der Vernehmlassung gab es einige kritische Eingaben, die sich auf die kunstvolle Sprache der Präambel bezogen. Sie wurde vom Aargauer Schriftsteller Max Dohner formuliert, der bereits bei der Erarbeitung des Leitbilds der Landeskirche mitgewirkt hat. Andere schlugen Zusätze, Streichungen oder Umformulierungen vor. Die vielen engagierten Eingaben zeigen, dass der persönliche Glaubensausdruck für reformierte Christen zentral ist. Die Koordinationskommission der Kirchenordnungsrevision und der Kirchenrat hoffen, dass die Präambel nach der Bereinigung in der Synode sprachlich und inhaltlich weiterhin aus einem Guss besteht.

Zukunft des Tagungshauses Rügel: Grundsatzentscheide zu Trägerschaft und Ausrichtung
Am 14. November 2007 hatte die Synode den Kirchenrat beauftragt, verschiedene Varianten einer Zweckänderung für das Tagungshaus der reformierten Kirche auf dem Rügel bei Seengen zu erarbeiten. Nach fast zweijährigen intensiven Diskussionen im Kirchenrat und in einer beauftragten Arbeitsgruppe unter Leitung der Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen liegen der Synode nun drei Modelle vor: 1. «klassisches» kirchliches Tagungshaus in Alleinverantwortung betrieben, 2. Betrieb zusammen mit einem Partner in geteilter Verantwortung, 3. Abgabe der Verantwortung durch Verkauf oder Verpachtung. Die drei Modelle fassen sieben Projektskizzen für den Rügel zusammen: Wohlfühlort, Zentrum für Jugendarbeit, Gast-Haus, Blueshaus, Kultur und Kunst, Haus der Jugend und Friedensförderung.
Ein Betrieb in Alleinverantwortung bedeutet, dass die Landeskirche wie bisher ihr eigenes Tagungshaus als Gasthaus und Ort der Begegnung führt, wobei der Hotelleriebereich an einen Dritten verpachtet werden kann.
Die Gesamtkosten für die Landeskirche belaufen sich auf 350'000 bis 450'000 Franken pro Jahr. Ausserdem sind Verbesserungen der Infrastruktur nötig, die von der Landeskirche finanziert werden müssen.

Beim neuen Modell «geteilte Verantwortung» würde der Rügel zukünftig als Tagungshaus mit einem speziellen Themenschwerpunkt betrieben, der aus der Zusammenarbeit mit einer Partnerorganisation resultiert. Dabei soll der Rügel auch weiterhin für die Öffentlichkeit und kirchliche Aktivitäten im Sinne eines «Gast-Hauses» zugänglich bleiben. Personal- und Betriebskosten und Anpassungen der Infrastruktur werden von der Landeskirche und dem Partner aufgeteilt und gemeinsam getragen. Das Betriebskonzept muss landschafts- und verkehrsverträglich sein. Von zentraler Bedeutung für dieses Modell ist das Finden des «richtigen» Partners, der bezüglich Ausrichtung und finanzieller Tragkraft zur Landeskirche passt. Im Vorfeld wurden 39 Organisationen unverbindlich angefragt. Von diesen 39 sind drei an einer Partnerschaft interessiert und sechs zu weiteren Gesprächen bereit.

Für den zukünftigen Betrieb erscheint in jedem Fall eine Fokussierung auf einen Themenschwerpunkt sinnvoll und nötig, unabhängig davon, ob die Kirche die Verantwortung alleine tragen oder mit einem Partner teilen will. Interne und öffentliche Diskussionen haben ergeben, dass die beiden Schwerpunkte «Jugendarbeit» und «Kirche und Wirtschaft» bevorzugt würden.

Das dritte Modell, Verkauf oder Verpachtung, lässt aufgrund der Einschränkungen durch das Hallwilersee-Schutzdekret eine Nutzung durch Private nicht zu. Eine neue Trägerschaft muss eine öffentlich-rechtliche Organisation sein, z.B. eine Kirchgemeinde, eine politische Gemeinde oder der Kanton. Eine den neuen Bedürfnissen angepasste Nutzung wäre nur durch die Errichtung einer Sonderzone möglich. Der realisierbare Erlös wäre voraussichtlich eher begrenzt. Die Variante Verkauf oder Verpachtung hat sich in den Evaluationen als schwächste Variante erwiesen. Der Kirchenrat empfiehlt der Synode als Grundsatzentscheid die Variante «Geteilte Verantwortung».

Weiterführung der Fachstelle «Religion Technik Wirtschaft» in Windisch und einer Stiftungsprofessur in Basel
Die ökumenische Fachstelle «Religion Technik Wirtschaft» auf dem Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz soll bis Juli 2013 mit einem Stellenpensum von 60% weitergeführt werden. 2007 errichteten die Reformierte und die Römisch-Katholische Landeskirche die Fachstelle für die Dauer einer dreijährigen Projektphase bis Juli 2010. Mit den beiden Fachhochschulen Technik und Wirtschaft wurde eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Seit April 2007 leitet Dr. Asha De, Physikerin und Pfarrerin, die Fachstelle in Windisch. Die beiden Landeskirchen tragen die Kosten von 140 000 Franken pro Jahr je zur Hälfte.

Ausserdem soll die Stiftungsprofessur für Mission, Ökumene und interkulturelle Gegenwartsfragen im Umfang von 100% an der Theologischen Fakultät der Universität Basel 2011bis 2015 weiter mit einem jährlichen Beitrag von höchstens CHF 48 000 Franken unterstützt werden. Die Beiträge werden aus dem Stipendienfonds finanziert.

Budget 2010 mit Ertragsüberschuss
Der Kirchenrat legt der Synode für das Jahr 2010 einen Voranschlag für die Zentralkasse der Landeskirche mit einem Ertragsüberschuss von 264 200 Franken vor. Bei einem gleich bleibenden Zentralkassenbeitrag der Kirchgemeinden von 2,4 Prozent sieht das Budget Ausgaben in Höhe von 11 447 100 Franken und Einnahmen in Höhe von 11 711 300 Franken vor. Die Ausgaben steigen lediglich um 134 200 Franken oder ca. 1,2%. Eine Lohnerhöhung ist aufgrund der rückläufigen Teuerung nicht vorgesehen.

Markant ist der aussergewöhnliche und vermutlich einmalige Anstieg der 2010 zu erwartenden Beiträge der Kirchgemeinden. Diese werden auf der Grundlage der ungewöhnlich hohen Kirchensteuererträge 2008 berechnet, die noch vor dem Beginn der Wirtschaftskrise generiert wurden.



Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs.



Aufgeschaltet am 3. November 2009
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