Bettagsmandat 2009 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Bettagsmandat 2009: Gesellschaftliche Wertvorstellungen im Wandel

Der Regierungsrat und die Landeskirchen des Kantons Aargau geben jedes Jahr zum Eidgenössischen Bettag abwechselnd einen Aufruf an die Aargauer Bevölkerung heraus. In diesem Jahr hat der Aargauer Regierungsrat den Text des Bettagsmandats verfasst.


Mit steigendem Wohlstand verändern sich gesellschaftliche und individuelle Normen und Wertvorstellungen. Der sich abzeichnende Wertewandel führt dazu, dass die Menschen die individuelle Entwicklung und Selbstentfaltung stärker in den Vordergrund stellen. Dagegen wird die Abstützung auf kollektive Regelwerke schwächer. Der gesellschaftliche Wertewandel drückt sich in den letzten Jahrzehnten in veränderter Lebensweise und Arbeitsorganisation, einem geänderten Rollenverständnis sowie einer Verschiebung der Freizeitpräferenzen und Konsummuster aus. Veränderte Rollenmuster und Familienstrukturen zeigen sich auch in der zunehmenden Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben.

Ein wichtiger Aspekt des Wertewandels stellt dabei die Gleichberechtigung der Geschlechter dar. Die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen kann mit der Tendenz zu mehr Gleichberechtigung begründet werden. Sie steht aber auch in Zusammenhang mit der Notwendigkeit zur Erwerbstätigkeit alleinerziehender oder alleinstehender Frauen. Familienstrukturen haben sich geändert, die Alleinverdiener-Familie hat an Bedeutung verloren und in Verbindung mit zunehmender Individualisierung nehmen alternative Lebensformen zu. Anhand der Frauenerwerbstätigkeit, der Teilzeitquote sowie der Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten lässt sich der Grad messen, mit dem die Gesellschaft und die Wirtschaft auf diese Prozesse eingestellt sind.

Die Frauenerwerbstätigkeit liegt im Aargau unter dem Schweizer Durchschnitt. Mit der spezifischen Branchenstruktur im Aargau, der Einstellungspraxis der Unternehmen oder dem Willen der Frauen zur Familienarbeit lässt sich dies nur bedingt erklären. Frauen haben es immer noch schwer, Familie und Beruf zu vereinbaren. Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind hierfür eine wichtige Voraussetzung. Da der Kanton Aargau eher als Zuwanderungskanton für Familien gilt, fehlen den Familien oft verwandtschaftliche Familienstrukturen für die Kinderbetreuung. Den Betreuungsangeboten ausserhalb der Familie kommt daher eine hohe Bedeutung zu.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowohl für Frauen als auch für Männer ist ein zentrales Element auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichstellung. Paare müssen die Wahl haben, wie sie Familienarbeit und Beruf untereinander aufteilen wollen. Dafür müssen Strukturen vorhanden sein, die Frauen wie Männer unterstützen. Neben Kinderbetreuungsmöglichkeiten gehören dazu Zugang zu Ausbildung, Lohngleichheit, Teilzeitarbeit für Eltern, flexible Arbeitszeitmodelle.

Gesellschaft, Politik und Wirtschaft haben sich den Herausforderungen der neuen Familienmodelle, der alternativen Lebensformen und der veränderten Rollenverteilung zu stellen. Dazu gehört die Akzeptanz anderer Familienmodelle, die Bildung von Teilzeitstellen und die Schaffung von Kinderbetreuungsangeboten. So entsteht ein attraktiver Wohn- und Arbeitskanton für junge Familien.



Meldung verfasst von: Regierungsrat des Kantons Aargau.



Aufgeschaltet am 17. September 2009
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