Sommersynode lang 2009 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Bericht von der Sommersynode der Reformierten Landeskirche Aargau in Menziken – LANGE Version

Klares Ja zum neuen Haus der Landeskirche und «Ja, aber» zum Ökofonds
 
Trotz intensiver Auseinandersetzungen im Vorfeld bewilligte die Synode der Reformierten Landeskirche Aargau am Mittwoch nahezu einstimmig, dass die Landeskirchlichen Dienste ihr neues Domizil im Büroneubau der Pensionskasse in Aarau beziehen dürfen. 149 Synodale stimmten ausserdem einem neuen Ökofonds für die umweltbewusste Sanierung kirchlicher Gebäude zu, wiesen aber das vorgelegte Reglement zur Überarbeitung an den Kirchenrat zurück. Die Rechnung 2008, neue Lohntabellen für nicht ordinierte kirchliche Mitarbeitende und verschiedene Motionsbeantwortungen des Kirchenrates passierten dafür fast einstimmig. Die geplanten Aktionen zur Unterstützung von verfolgten Christinnen und Christen in anderen Ländern stiessen auf grosses Interesse.


Medienmitteilung vom Mittwoch, 10. Juni 2009
 
Nachdem an der ausserordentlichen Synode am 27. Mai in Aarau zwei Stunden lang über den von der Pensionskasse der Landeskirche finanzierten Büroneubau am Stritengässli in Aarau und die Frage gestritten wurde, ob die Landeskirchlichen Dienste dort ihr neues Domizil beziehen dürften, gab es am Mittwoch nur noch zwei Wortmeldungen. Beide Votanten, Hans-Peter Tschanz und Paul Klee, beschrieben ihre Wandlung «vom Saulus zum Paulus», so Klee, wie sie von Kritikern des Vorhabens durch den Informationsabend des Kirchenrates, die Unterlagen und die Aussprache am 27. Mai nun zu Befürwortern des Projektes wurden. Nachdem vom Kirchenrat Claudia Bandixen und Hans Rösch noch einmal die Aufgaben der Landeskirchlichen Dienste und die Vorteile des vorliegenden Projektes skizziert hatten, anerkannte auch Hans-Peter Tschanz die Vorteile der Investition für die Pensionskasse: «Eigener Beton ist der beste Schutz vor Finanzkrisen und Inflation», während Paul Klee sogar eigenhändig gezogene Rosenstöcke für die Aussengestaltung des neuen Hauses der Landeskirche in Aussicht stellte.
Nach diesen beiden Voten gab es in der mit Spannung erwarteten Abstimmung nur noch zwei Gegenstimmen gegen die zustimmende Kenntnisnahme vom Bauprojekt. Die übrigen Anträge, Bewilligung der Mehrausgaben für die Miete im Neubau bis zu einem Kostendach von 125 000 Franken pro Jahr sowie die Kosten für Innenausbau und Mobiliar von höchstens 1 450 000 Franken wurden sogar ohne weitere Diskussion einstimmig bewilligt.

Ökofonds ja – aber das Reglement muss in eine zweite Runde
Schwieriger hatte es dann das zweite finanziell bedeutsame Geschäft, die geplante Einrichtung eines «Ökofonds» bis zu einer Höhe von einer Million Franken «zur finanziellen Förderung von Massnahmen der Reformierten Kirchgemeinden im Aargau zur rationellen Energieanwendung, zur Nutzung erneuerbarer Energien und zum Klimaschutz». Franziska Zehnder gab im Namen der Geschäftsprüfungskommission die Marschrichtung für die Diskussion vor: Die Idee sei zwar gut, das Anliegen völlig berechtigt, aber die konkrete Umsetzung im Fondreglement könne noch nicht überzeugen. Sie und weitere Redner wiesen auch darauf hin, dass denkmalgeschützte Kirchen oder historische Pfarrhäuser beim besten Willen nicht auf Minergie-Standard gebracht werden könnten.
Kirchenrätin Myriam Heidelberger-Kaufmann konnte zwar mit ihrem Plädoyer für eine glaubwürdige Kirche, die es «nicht nur gut meinen sondern auch gut handeln» müsse, die Synode davon überzeugen, den Ökofonds grundsätzlich zu bewilligen. Bei der anschliessenden Detailberatung des Fondsreglements war dann aber sehr bald Schluss. Der Antrag von Martin Richner, Koblenz, das Reglement zur Überarbeitung an den Kirchenrat zurückzuweisen wurde mit 97 zu 24 Stimmen angenommen, weil nicht genau klar war, mit welchen Beträgen der Fonds jährlich geäufnet werden sollte und weil noch kein Konsens darüber bestand, was genau wie unterstützt werden sollte.
Immerhin hat die Synode mit dem Grundsatzentscheid ein Signal gesetzt: Mit ca. 330 Immobilien ist die Reformierte Landeskirche bzw. sind ihre 75 Kirchgemeinden neben der öffentlichen Hand und den Pensionskassen eine der grössten Immobilienbesitzerinnen im Kanton Aargau. Dazu gehören 92 Kirchen, 66 Kirchgemeindehäuser und 24 Nebengebäude sowie ca. 120 Pfarrhäuser oder Wohnungen. Nun will die Landeskirche auch ihre ökologische Verantwortung für den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss stärker wahrnehmen. Weniger das Geld als vielmehr die genaue Handhabung der Beiträge muss aber noch einmal diskutiert werden.

Einsatz für verfolgte Christinnen und Christen ohne ideologische Verbrämung
In eine ganz andere Richtung ging die Motion zur Situation von diskriminierten und verfolgten Christinnen und Christen in aller Welt, die 2006 von der Evangelischen Fraktion eingereicht worden war. Der Kirchenrat antwortete auf die Frage, was die Aargauer Landeskirche zur Unterstützung von verfolgten Christinnen und Christen tun kann, mit einem Paket von Aktivitäten: Unter dem Titel «Religion in Freiheit und Würde» sollen Pilotprojekte für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen in Konfliktregionen entwickelt und finanziell und ideell von mindestens 100 Kirchgemeinden in der ganzen Schweiz unterstützt werden. Die Aktion wird im August 09 offiziell vorgestellt. Im Rahmen einer interreligiösen Kulturwoche von Christen und Muslimen unter dem Titel «Musik und Begegnung» vom 8. bis 15. November 09 sollen verschiedene Angebote in Aarau und Baden für Toleranz und Religionsfreiheit werben. Auch die im Menziker Kirchgemeindehaus den Synodalen gezeigte Installation «Calvin und der Weg zu religiöser Toleranz» nimmt dieses Thema im Rahmen des 500. Geburtstags des Genfer Reformators Johannes Calvin auf.
Bei diesen und den weiteren Projekten geht es um Friedensarbeit, die Vorurteile und politische oder kulturelle Hetze jeder Art vermeiden soll. Diese Antwort des Kirchenrates und der Antrag, die Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen auch in den Kirchgemeinden während zwei Jahren zu unterstützen, wurden von der Synode einstimmig angenommen.

Finanzen und Mindestlöhne
Die Rechnungen der Zentralkasse der Landeskirche und der verschiedenen Institutionen Tagungshaus Rügel, Heimgärten in Aarau und Brugg und Zeitung «reformiert.» wurden nach kurzer Beratung einstimmig genehmigt. Die Zentralkasse schloss die Rechnung 2008 bei Gesamtausgaben von 11 154 733 Franken mit einem Ertragsüberschuss von 58 445 Franken ab. Emil Gafner von der Geschäftsprüfungskommission wies darauf hin, dass der Überschuss vor allem aus höheren Zinseinnahmen von 96 723 Franken auf dem Finanzkapital resultiert und dass hier und bei den Beiträgen der Kirchgemeinden zurückgehende Ergebnisse zu erwarten sind. Der Ertragsüberschuss wird dem Eigenkapital zugeschrieben und in Zukunft auch nicht mehr nach einer speziellen Regelung an der Herbstssynode verteilt. Im Rahmen der Beantwortung einer Motion «zur Verwendung des Ertragsüberschusses», ist die Synode der Motion und dem Antrag des Kirchenrat gefolgt: Allfällige Ertragsüberschüsse werden in Zukunft nur noch dem Eigenkapitel zugewiesen. Finanzielle Beiträge an kirchliche und soziale Organisationen sollen im Rahmen der Budgetberatung beschlossen werden.

Erwartungsgemäss vielfältig und detailreich waren die Diskussionen über die verschiedenen Lohntabellen, die als Anhang zum im November 08 beschlossenen Dienst- und Lohnreglement für nicht ordinierte Mitarbeitende in den Kirchgemeinden (DLM, SRLA 371.400) zu beschliessen waren. Änderungsanträge zu den Regelungen für Chorleiter oder Katechetinnen wurden zurückgewiesen. So passierten die neuen Lohntabellen schliesslich – zwar erst nach dem Unterbruch durch die Mittagspause aber mit nur einer kleinen Änderung – fast einstimmig. Die Kirchgemeinden verfügen nun über einheitliche Bestimmungen für die Mindestlöhne für Kirchenmusiker und -musikerinnen, Katechetinnen und Katecheten sowie weitere Mitarbeitende wie Sekretärinnen, Hauswarte oder Siegristinnen.

Die vom Vorstand der Synodefraktion «Kirche und Welt» eingereichte Motion «Religion darf nicht nur 'Mädchenfach' sein» bemängelt «die einseitig weiblich geprägte Vermittlung des Glaubens in unserer evangelisch-reformierten Landeskirche» und verlangt «eine gerechtere Verteilung auf Frauen und Männer». Nachdem sie vom Motionär Jürg Hochuli, Schöftland, in ein Postulat umgewandelt wurde, nahm Kirchenrätin Elisabeth Känzig das Anliegen in dieser Form dankend entgegen. Sie begrüsste die Zielrichtung, obwohl sie auch auf einige Beispiele für das Engagement von Männern im Pädagogischen Handeln der Kirche verweisen konnte. Nach einigen Informationen zur Entwicklung der Pläne für das Tagungshaus Rügel von Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen schloss die Synode nach insgesamt fünf Sitzungsstunden im gastfreundlichen Menziker Kirchgemeindehaus.



Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs.



Aufgeschaltet am 11. Juni 2009
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