Baufachtagung Rupperswil 2008 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Eine Arbeitsgruppe an der kirchlichen Baufachtagung am 8. November 08 im Kirchgemeindehaus Rupperswil
Foto: F. Worbs

«Wollen, wissen, finanzieren» - der Weg zu ökologisch nachhaltigen kirchlichen Gebäuden im Aargau

Bericht von der ökologischen Baufachtagung der Reformierten Landeskirche am Samstag, 8. November, im reformierten Kirchgemeindehaus Rupperswil
 
Am Samstag haben Baufachleute und Ehrenamtliche der Aargauer Kirchgemeinden auf Einladung des Kirchenrates der Reformierten Landeskirche und der Ökumenischen Kommission Kirche und Umwelt der Schweizer Kirchen (oeku) über ökologisches Bewirtschaften und Renovieren von kirchlichen Gebäuden diskutiert – «aus Respekt vor der Schöpfung», dem Motto der Kirche und der Tagung. Mit der Tagung und einem neuen Unterstützungsfonds möchte die Reformierte Landeskirche Nachhaltigkeit und respektvollen Umgang mit der Umwelt auch «im eigenen Haus» sorgfältig beachten und eine grundlegende Diskussion zum Gebäudebestand der Kirchgemeinden anstossen.


Medienmitteilung vom Sonntag, 9. November 2008

Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen begrüsste die über 60 Bau- und Gebäudeverantwortlichen der Kirchgemeinden und der Landeskirche, Kirchenpflegemitglieder, Abwarte und Sigristinnen im Kirchgemeindehaus Rupperswil, das aus den 60er Jahren stammt und selbst Gegenstand der Diskussion wurde. Für das noch kaum nach ökologischen Kriterien gebaute Haus wird zurzeit eine energietechnische Gesamtsanierung für eine optimale Energiebilanz geplant, deren hohe Investitionskosten in der Kirchgemeinde für Diskussionen sorgen werden. Die beiden Referenten von oeku Schweiz, Kurt Zaugg und Kurt Aufdereggen, betonten wie Bandixen, dass der Klimawandel unsere Gesellschaft ökologisch und sozial herausfordere. Da Kirchen, Pfarr- und Kirchgemeindehäuser Energie-Grossverbraucher sind, wird die Bewahrung der Schöpfung nirgends so konkret wie bei der Bewirtschaftung und Sanierung der eigenen Gebäude.
Der Aargauer Landammann Peter C. Beyeler, Vorsteher des Departements für Bau, Verkehr und Umwelt, erklärte in seinem Grusswort mit einem Zitat des Philosophen Platon «die Natur ist ein Brief Gottes an die Menschheit», warum wir ihr viel mehr Wertschätzung entgegenbringen müssten. Da wir heute «keine Arche mehr wie in der Bibel bauen können», müssten wir angesichts knapper Ressourcen und des Klimawandels unser Verhalten ändern. Der Aargauer Regierungsrat habe deshalb neue, verschärfte Vorschriften für die Energienutzung in Gebäuden auf März 2009 in Kraft gesetzt, die just an diesem Tag publiziert wurden. Energiepolitik funktioniere aber nicht über Verbote, führte Beyeler weiter aus. Durch Anreize und mit der laufenden Revision des Baugesetzes wolle die Regierung eine deutlich verbesserte Energienutzung erreichen.
 
Neuer Fonds zur Unterstützung ökologischer Projekte der Kirchgemeinden
Kirchenrat Hans Rösch, Dossier Finanzen und Liegenschaften, stellte zum ersten Mal den geplanten Fonds der Aargauer Landeskirche vor, der Kirchgemeinden bei der Planung und Umsetzung von ökologischen Massnahmen unterstützen soll. Dieser Fonds, der einmal mit einer halben bis einer Million Franken alimentiert werden solle, sei für ihn eine Konsequenz aus dem Prinzip «wwf» (wollen – wissen – finanzieren), das ihm bei den regelmässigen Kirchenpflegebesuchen in den Gesprächen über ökologische Verbesserungen immer wieder begegne: Die Verantwortlichen wollen durchaus etwas tun. Woran es meistens fehle, sind einerseits das richtige Wissen und andererseits die nötigen Finanzen.
Der neue «Öko-Fonds», der zuerst von der Synode beraten werden muss, solle auf drei Säulen beruhen: Liegenschaftsfragen, tägliches Verhalten beim Gebäudeunterhalt und die Bildung von Finanzreserven für ökologische Sanierungen. Es gehe nicht darum, den Kirchgemeinden Solardächer und Wärmepumpen zu finanzieren, dämpfte Rösch zu hohe Erwartungen. Im Vordergrund stehen die personelle und finanzielle Unterstützung bei ökologischen Fachberatungen und Analysen und Anschubfinanzierungen für die Erstellung von energietechnisch nachhaltigen Konzepten für kirchliche Gebäude.
Prof. Dr. Armin Binz von der Fachhochschule Nordwestschweiz, Leiter der Minergie-Agentur Bau in Muttenz erläuterte die Entwicklung und Veränderungen der Minergie-Standards für Neubauten und Renovationen, die inzwischen in der ganzen Schweiz angewendet werden. Die bekannten Techniken umzusetzen, sei zwar wichtig und werde inzwischen auch vom Gesetzgeber gefordert. Es brauche aber auch «Innovationen beim Umbauen und Sanieren», so der Titel seines Vortrags. Bei den bisher in der Schweiz realisierten Minergie-Projekten gebe es noch relativ wenige kirchliche Gebäude. Er freue sich aber, dass die Kirche mit dieser Tagung ihren Vorbildcharakter im Umgang mit den natürlichen Ressourcen bei den kirchlichen Gebäuden ernst nehme.
Mit praktischen Beispielen wurden die theoretischen Ausführungen konkretisiert: Philipp Kim von Kim Strebel Architekten stellte das ökologische Konzept des Neubaus des Verwaltungsgebäudes der Reformierten Landeskirche im Stritengässli in Aarau vor, das nach dem Minergie-Standard geplant wird. Der Architekt Werner Setz erläuterte anhand der geplanten energietechnischen Gesamtsanierung des 40 Jahre alten reformierten Kirchgemeindehauses Rupperswil, dass die Einsparung bei den Energiekosten in den nächsten vier Jahrzehnten die massiv höheren Interventionskosten von ca. 1,5 Millionen Franken für die umfassende Sanierung mehr als ausgleichen werden.
Am Nachmittag befassten sich die Teilnehmenden in vier Workshops mit «umweltbewusstem Betrieb von Gebäuden», «innovativen Lösungen bei Neu- und Umbauten», positiven Beispielen für Energieeffizienz und alternative Heizsysteme und dem Praxisbeispiel des Kirchgemeindehauses Rupperswil. Zum Abschluss der Tagung erklärte Werner Leuthard, Leiter der Fachstelle Energie des Kantons Aargau, welche fachliche und finanzielle Unterstützung die Kirchgemeinden vom Kanton erhalten könnten.
 


Meldung verfasst von: ria / F. Worbs, 5534 Zeichen (incl. 717 Leerzeichen)




Aufgeschaltet am 9. November 2008
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