Pfarrkapitel Stilfragen 2008 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Philipp Tingler am Pfarrkapitel in Spreitenbach am 29. Oktober 2008
Foto: F. Worbs

«Die Britney Spears ihrer Gemeinde» – Pfarrerinnen und Pfarrer stehen auch privat immer unter öffentlicher Beachtung

Medienmitteilung vom Freitag, 31. Oktober 2008
 
Das Aargauer Pfarrkapitel diskutierte in Spreitenbach mit dem Autoren Philipp Tingler die Stellung als öffentliche Person und die Auswirkungen auf Auftreten und Privatleben.


Bei der halbjährlichen Versammlung aller reformierten Aargauer Pfarrerinnen und Pfarrer am Mittwoch in Spreitenbach stand die Situation von Pfarrerinnen und Pfarrern als «öffentliche Personen» im Mittelpunkt. Bei keinem anderen Berufsstand sind das berufliche Wirken, das Privatleben und die öffentliche Beachtung so eng miteinander verknüpft wie beim Pfarrer oder der Pfarrerin. Sie sind die letzten öffentlichen Personen, die auch privat in ihrem beruflichem Umfeld leben müssen, denn die reformierte Kirchenordnung schreibt die Wohnsitznahme im Pfarrhaus in der eigenen Gemeinde verbindlich vor. Wenn sie das Pfarrhaus verlassen, sind sie nie rein privat unterwegs, denn sie werden auch beim Einkaufen in ihrem Dorf immer als Pfarrer oder Pfarrerin betrachtet und beobachtet.

Welche Konsequenzen sich für Auftreten, Kleidung oder soziales Verhalten der Pfarrerinnen und Pfarrer ergeben, das wollten die ca. 90 Anwesenden mit dem Autoren und Journalisten Philipp Tingler aus Zürich diskutieren, Verfasser der Ratgeberbücher «Stil zeigen» und «das ABC des guten Benehmens».

Tingler wies in seinem Vortrag darauf hin, dass Pfarrerinnen und Pfarrer in der Öffentlichkeit immer als solche wahrgenommen würden: «Viele Menschen beobachten sehr genau, was Sie tun und lassen. Sie sind sozusagen die Britney Spears Ihrer Gemeinde.» Deshalb müssten sie stets so auftreten, als ob sie repräsentieren würden – allerdings nicht in einem anstrengenden Sinn, dass man besonders steif oder konventionell auftreten müsse. Es gehe darum, sich als Pfarrerin oder Pfarrer bewusst zu machen, was dieser Repräsentationseffekt im Gegenüber auslöse. Umgangsformen müssten in erster Linie authentisch wirken.

Tingler streifte in seinem Vortrag die Themen Konversation, äusserliche Erscheinung  und Umgang mit der Wahrheit im sozialen Kontakt: «Die Annahme, dass die Geistlichkeit mit der Wahrheit besonders sorgsam umgehe, verschafft Ihnen einen unschätzbaren Vorteil, um den Sie besonders Politiker und Manager beneiden dürften: Man glaubt Ihnen quasi alles.»

Die spannende Diskussion drehte sich anschliessend darum, wie kirchenferne Leute Kirche wahrnehmen, was sie von der Kirche und ihren Repräsentantinnen und Repräsentanten erwarten. Zum anderen wurde die Frage intensiv diskutiert, ob die Kirche sich nach den Erwartungen der Zielgruppen ausrichten oder ihre eigene Botschaft in den Mittelpunkt stellen sollte.



Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs.



Aufgeschaltet am 31. Oktober 2008
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