Filmpremiere und Podiumsdiskussion 2008 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Interreligiöse Podiumsdiskussion "Mensch und Tod im Spiegel der Religionen" im KuK Aarau am 13. September 08. Moderatorin Brigitta Rotach im Gespräch mit (v.li.) Peter Hurwitz, Amira Hafner Al Jabaji, Andreas Imhasly, Claudia Bandixen.
Foto: Felix Wey

Filmpremiere und Podiumsgespräch zum Auftakt des interdisziplinären Kongresses «Ganz Mensch bis zum Tod» am Freitag, 12. September

Medienmitteilung vom Montag, 15. September 2008
 
«Angst verdirbt Leben und Sterben»
Die Reformierte Landeskirche Aargau lud am Freitag, 12. September, zum Auftakt des interdisziplinären Kongresses «Ganz Mensch bis zum Tod» im Kultur & Kongresshaus Aarau ein mit der Premiere ihres Films «segnen - trösten - begleiten». Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutierten vor ca. 250 Gästen Vertreterinnen und Vertreter aus Judentum, Islam und Landeskirchen über den Umgang mit Sterben und Tod in ihren Traditionen.


Bewegend endet der Film «segnen - trösten - begleiten»: Eine junge Frau, deren Leben seit Jahren an einer Beatmungsmaschine hängt, strahlt nach einer Krankensegnung fast so etwas wie Glück aus. Zuvor zeigt der Film in beklemmenden Bildern, wie sie röchelnd, zischend und tonlos um Worte ringt, die die Seelsorgerin ahnt, laut ausspricht und ergänzt. Mit dem Film will die Reformierte Landeskirche Aargau angesichts der aktuellen Diskussion um einen «Tod auf Bestellung» die christliche Kultur im Umgang mit Sterben und Tod und das Angebot der reformierten Seelsorge aufzeigen.

Weshalb ein Film über Seelsorge?
«Mir ist wichtig, dass Menschen wissen, was in der Seelsorge passiert, die sonst immer hinter geschlossenen Türen stattfindet», erläutert Karin Tschanz, Bereichsleiterin Seelsorge der Reformierten Landeskirche und Projektleiterin des Films dessen Ziel. Es seien echte Gespräche, nichts sei gestellt, betonte im Interview mit der Moderatorin Brigitta Rotach auch der Regisseur und Kameramann Christoph Ullmann. Die Aufnahmen erforderten viel Einfühlungsvermögen und Zurückhaltung von ihm, während die Beteiligten Mut und Vertrauen brauchten, sich in so privaten Situationen filmen zu lassen.

Der Film kann Betroffenen helfen, die Erfahrungen beim Sterben eines Angehörigen zu verstehen. Er kann in Kirchgemeinden bei Veranstaltungen zu den Themen Leiden, Sterben und Tod das Gespräch über ein Thema anregen, an das sich viele Menschen nicht heranwagen.

Gott oder der Mensch im Mittelpunkt?
Obwohl der Film sie sehr berührt habe, findet die Islamwissenschaftlerin Amira Hafner-Al Jabaji in der anschliessenden interreligiösen Podiumsdiskussion, dass das religiöse Moment aus islamischer Sicht zu kurz gekommen sei. «Im Islam ist immer Gott im Mittelpunkt und nicht so sehr der Mensch und seine Bedürfnisse.» Die Rolle eines Seelsorgers sei im Islam gar nicht vorhanden, Angehörige übernähmen diese Aufgabe. Zentral sei das Glaubensbekenntnis: «Es ist das erste, das einem Neugeborenen ins Ohr geflüstert wird und das letzte, das ein Mensch vor seinem Tod ausspricht oder hört.»

Unter der Leitung von «Sternstunden»-Redaktorin Brigitta Rotach vom Schweizer Fernsehen erläuterte der jüdische Arzt Peter Joel Hurwitz die speziellen Traditionen seiner Religion. Es sei ein jüdisches Gebot, dass man Kranke und Trauernde besucht. «Im Judentum sitzt man eine Woche in Trauer, geht nicht zur Arbeit, erhält Besuch, redet miteinander - es ist eine Art Time out», betonte Hurwitz. So komme man langsam wieder auf den Weg in den Alltag zurück.

Trost und Sakrament
«Der Film gibt wunderbar Einblick in das, was Seelsorge sein kann und zeigt dabei ein sehr breites Spektrum», freut sich der römisch-katholische Spitalseelsorger im Paraplegigkerzentrum Nottwil, Andreas Imhasly, dem die meisten Seelsorgesituationen durchaus bekannt vorkamen. Nur seien in der katholischen Tradition die Sakramente wichtiger, die allerdings dem Priester vorbehalten sind. Imhasly begrüsste das Wort «Trost» im Filmtitel, das heute leider verpönt sei, weil es oft als «Vertrösten» missverstanden werde. In der Seelsorge aber werde nicht Trost versprochen sondern in der Begegnung geschehe Trost und vertreibe die Angst. Das sei wichtig, denn: «Angst verdirbt das Leben, und Angst verdirbt auch das Sterben».

Angesichts der aktuellen Diskussion um Suizidbeihilfe und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Sterben wies die Präsidentin des Kirchenrates der Reformierten Landeskirche, Pfarrerin Claudia Bandixen, auf die Bedeutung von Beziehungen für leidende und schwer kranke Menschen hin. Oft sei der Todeswunsch mit der Angst vor Abhängigkeit oder Einsamkeit verbunden. Wo ein Mensch auf seinem Leidensweg gut begleitet werde, tauche dieser Wunsch seltener auf. Die Seelsorgeangebote der Kirchen gingen mit einer sorgfältigen Ausbildung bewusst in diese schwierigen Situationen hinein und könnten die Sorgen der Betroffenen aufnehmen. «Wichtig sind nicht die Form und das einzelne Wort - wichtig ist die Beziehung», erklärte sie und ergänzte: «Typisch reformiert sei aber, dass ich mich selber vor Gott verantworte». Dafür müssten wir eine Sprache und passende Worte finden.

In seinem Schlusswort wies der Kongressleiter, Frank Worbs, auf den anschliessenden Teil des Kongresses hin. Die meisten der 250 Anwesenden würden sich am Samstag mit den medizinischen, theologischen und politischen Fragen um Sterben und Tod weiter befassen.
 


Meldung verfasst von: ria / H. Berner.



Aufgeschaltet am 15. September 2008
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