Wartensee Vereinbarung 2008 - Reformierte Landeskirche Aargau


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MM_Wartensee_Vereinbarung_2008
Bei der Unterzeichnung der Wartenseevereinbarung, v.re.:
Nikolaus Schneider, Präses der Ev. Kirche im Rheinland, Claudia Bandixen, Kirchenratspräsidentin der Reformierten Landeskirche Aargau, Michael Ott, Kirchenrat der Ev-ref.. Landeskirche Graubünden, Dölf Weder, Kirchenratspräsident der Ev.-ref. Kirche des Kantons St.Gallen, Jürgen Dembek, Personaldezernent der Ev. Kirche im Rheinland
Foto:
Andreas Ackermann

Vereinbarung zwischen der Evangelischen Kirche im Rheinland und reformierten Schweizer Kirchen ermöglicht grenzüberschreitende Personalmassnahmen der Kirchen

Communiqué vom Montag, 11. August 2008
 
Am Montag haben im evangelischen Tagungszentrum Schloss Wartensee bei Rorschach die Kirchenleitungen der Evangelischen Kirche im Rheinland und dreier Schweizer reformierter Kirchen eine für die Schweiz singuläre kirchliche Vereinbarung zur grenzüberschreitenden Kooperation unterzeichnet. Das Abkommen öffnet Arbeitsmöglichkeiten für Schweizer Theologinnen und Theologen in der Rheinischen Kirche und beseitigt die bisherige Eingleisigkeit, nach der nur Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Rheinland Schweizer Pfarrstellen besetzen konnten.


Im Mai 2007 in Aarau und im Dezember in Düsseldorf haben Delegationen der drei Schweizer reformierten Kirchen und die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland über Fragen zum deutsch-schweizerischen kirchlichen Arbeitsmarkt und zu Weiterbildungsangeboten für protestantische Pfarrerinnen und Pfarrer verhandelt. Die Evangelische Kirche im Rheinland ist mit 2,9 Millionen Mitgliedern die zweitgrösste deutsche evangelische Kirche und steht der reformierten Tradition der Schweizer Kirchen sehr nah. Auf Schweizer Seiten sind die evangelisch-reformierten Kirchen der Kantone Aargau, Graubünden und St. Gallen vertreten, die einen hohen Anteil an deutschen Pfarrerinnen und Pfarrern in ihren Kirchgemeinden verzeichnen.

An der dritten Runde dieser Gespräche am Sonntag und Montag im evangelischen Tagungszentrum Schloss Wartensee wurde nun eine Vereinbarung zur grenzüberschreitenden Kooperation unterzeichnet, die für die Schweizer Seite neue Perspektiven öffnet und gleichzeitig die Rückkehrbedingungen für deutsche Pfarrerinnen und Pfarrer klärt. Die in der Schweiz tätigen rheinischen Pfarrerinnen und Pfarrer können sich auch nach einer Dienstzeit in der Schweiz uneingeschränkt mit ihren bisherigen Rechten wieder in der Rheinischen Kirche bewerben.

Die Vereinbarung hält ausserdem fest, dass die Rheinische Kirche neu befristete Anstellungsverhältnisse für Pfarrerinnen und Pfarrer der beteiligten Schweizer Kantonalkirchen ermöglicht. Das können zweijährige provisorische Anstellungen für frisch ausgebildete junge Theologinnen und Theologen auf dem Weg zu einer definitiven Pfarrstelle sein oder zeitlich befristete Pfarrstellen in Gemeinden und besonderen Diensten zwischen einem und vier Jahren.

Doch die Vereinbarung will nicht nur die Gegenseitigkeit des kirchlichen Arbeitskräfteaustauschs regeln. Sie zielt auch auf neue Kooperationsmöglichkeiten der beteiligten Kirchen und will einen intensiven Erfahrungsaustausch anregen. Dafür sind verschiedene Möglichkeiten vorgesehen wie ein „Personalaustausch (in landeskirchlichen Fachstellen) und gemeinsame zwischenkirchliche Projekte zum Beispiel in den Bereichen Gender- und Frauen-Forschung, Musik, Jugendarbeit, Fortbildung, Öffentlichkeitsarbeit“.

„Aus der Einbahnstrasse wird nun eine grenzüberschreitende Verkehrsachse mit Gegenverkehr“, fasste der Präses der Rheinischen Kirche, Nikolaus Schneider, an einer Medienorientierung am Montag die Ergebnisse zusammen. Was mit der Mobilität einzelner rheinischer Pfarrerinnen und Pfarrer angefangen hatte, die sich auf eigene Faust auf Schweizer Pfarrstellen bewarben, hätte zu einem intensiven Kontakt der kirchlichen Institutionen und nun zu einer neuartigen grenzüberschreitenden Kooperation geführt, betonte Schneider. Das führe zu einer Bereicherung aller beteiligten Kirchen. Dem stimmten die Vertreterinnen und Vertreter der drei Schweizer Kirchenleitungen uneingeschränkt zu.

Die Aargauer Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen, die die erste Begegnung im Mai 2007 angeregt hatte, zeigte sich mit dem Erreichten vollumfänglich zufrieden. Damit könne das bilaterale Klima verbessert und ein bewusstes und konstruktives Miteinander verschiedener kirchlicher Traditionen im Pfarrdienst entwickelt werden. Für die Landeskirche Graubünden, in der inzwischen 50 von 100 Pfarrstellen von deutschen Pfarrerinnen und Pfarrern betreut werden, bedeute die Vereinbarung einen grossen Fortschritt, erklärte Kirchenratsmitglied Michael Ott, Pfarrer in Maienfeld. Nun hätten Deutsche in den Bündner Gemeinden klare Perspektiven, wenn sie wieder nach Deutschland wechseln wollten.

Dölf Weder, Kirchenratspräsident der St. Galler Kirche, die ca. 20 % deutsche Pfarrerinnen und Pfarrer verzeichnet, erlebt diese Situation bisher als unproblematisch und bereichernd. Aus diesem Grund begrüsst er auch den erweiterten Austausch und die neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Aussicht auf temporäre Tätigkeiten in anderen europäischen Ländern könnte sich sogar positiv auf die Attraktivität des Pfarramts in der Schweiz auswirken.

Die Rheinische Kirche, die ca. 2000 Pfarrstellen hat, wird noch im Laufe dieses Jahres eine Liste der für eine befristete Anstellung in Frage kommenden Stellen in Gemeinden, Ämtern und Diensten erstellen. Diese wird von den beteiligten Schweizer Kirchen ihren Angestellten weitergeleitet, die sich dann in Absprache mit ihrer Kirchenleitung bei der Rheinischen Kirche bewerben könnten. Bereits 2009 könnten sich die ersten Schweizer Theologinnen und Theologen auf Stellen im Rheinland bewerben. Ausserdem bietet die Rheinische Kirche die Kurse ihres Weiterbildungsprogramms im Pastoralkolleg in Wuppertal den Schweizer kirchlichen Mitarbeitenden zu den gleichen stark subventionierten Bedingungen an wie den eigenen Angestellten.

Die „Wartensee-Vereinbarung“, wie sie von den beteiligten Kirchenleitungen genannt wird, soll aber nicht ausschliessend sondern einladend wirken. Andere Schweizer Kirchen können und sollen sich an dieser Vereinbarung beteiligen. So könnte mit der Zeit ein offener europäischer Arbeitsmarkt in deutschsprachigen protestantischen Kirchen entstehen, der Europa auch in den Kirchgemeinden spürbar werden lässt.



Meldung verfasst von: Frank Worbs.



Aufgeschaltet am 12. August 2008
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