Begegnungen diakonische Kirche Finnland 2007 - Reformierte Landeskirche Aargau


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KR_Begegnungen_diakonische_Kirche_Finnland_2007
Die Felsenkirche in Helsinki, 1969 in den Granit der finnischen Hauptstadt gehauen, war Teil des Besuchsprogramms des Kirchenrats.
Foto: Hans Peter Mauch

Bericht von der Kirchenratsreise im August 07

Meldung aus dem a+o November 07

Der Kirchenrat nahm die Einladung der Evangelisch-lutherischen Kirche in Finnland an, um den Fragen nach dem Diakonischen Handeln nachzugehen. Die lutherische Kirche Finnlands gilt als wegweisend in Fragen der Diakonie und vor allem auch der Ausbildungsformen von Diakonen und Diakoninnen.


Nach fünf Jahren war der Kirchenrat zum ersten Mal wieder unterwegs, um beim Besuch einer anderen Kirche neue Eindrücke, Ideen, Anregungen und Erfahrungen für seine Arbeit zu bekommen und mit einer gewissen Distanz die eigene Situation besser einschätzen zu können.

Neben einigen Tagen die eher dem touristischen Kennenlernen des Landes gewidmet waren, wie jedes Jahr an der Retraite des Kirchenrates – waren drei Tage für die offiziellen Begegnungen mit Einrichtungen und Gremien der finnischen Kirche vorgesehen. Inhaltlich waren zwei Themen wichtig: Kennenlernen einer anderen Kirche und Austausch zu Diakonischem Handeln.

Begegnungen mit Menschen und Orten
Begegnungen müssen sorgfältig geplant und begleitet werden, vor allem dort, wo zwar Neues zu lernen wäre, aber niemand der Reisegruppe ortskundig ist. Pfarrerin Desirée und Pfarrer Mikka Aspinen, die vorher in einer Aargauer Kirchgemeinde tätig waren, moderierten, begleiteten und berieten den Kirchenrat auf seiner Reise. Ohne sie wären weder der vertiefte Einblick noch die fundierte Zusammenkunft mit den verschiedenen Fachleuten und Gremien in Finnland möglich gewesen. In ihrer Begleitung besuchte der Kirchenrat verschiedene Kirchgemeinden und ihre Gottesdienste und führte Gespräche mit Verantwortlichen der lutherischen Kirche Finnlands.

Kaum jemand reist nach Helsinki ohne die Felsenkirche zu besichtigen. Sie wurde 1969 fertig gestellt und ist in einen Granitfelsen hineingebaut. Sie beeindruckt durch ihre schlichte und moderne Struktur. Die Ortspfarrerin stellte dem Kirchenrat die Geschichte der Kirche vor, ein eindrückliches Orgelkonzert rundete den Besuch ab.
Auf die Frage, ob eine Kirche als Attraktion dem Gemeindeaufbau helfe, antwortete die Pfarrerin diplomatisch: Es sei schön, so viele Menschen begrüssen zu dürfen, ein ständiges Kommen und Gehen präge den Alltag der Kirche und ermögliche viele punktuelle Kontakte. Gleichzeitig aber sei es auch schwierig, in der Kirche zum Gebet und zur Ruhe zu kommen und wirklich Gemeinschaft zu leben.

Viel ruhiger war der Besuch einer jungen, aufstrebenden Kirchgemeinde in Viiki, in welcher die Spielecke für die kleineren Kinder gleich um den Taufstein herum angeordnet ist. Die Gespräche mit den Gemeindegliedern zeigte, wie sehr sich kirchliche Realitäten auch länderübergreifend ähneln. Die Grundfragen um Seelsorge, Diakonie, Beheimatung und Verkündigung bewegen auch sie.  Eindrücklich mit den wunderschönen Melodien war auch der Besuch der lutherischen Thomasmesse in der Agricola-Kirche. Seit fast 20 Jahren wird dieser Gottesdienst für «Zweifelnde und frustrierte Kirchgänger» Sonntag für Sonntag gefeiert. Eine offizielle Auswertung habe ergeben, erklärte uns einer der Gründer mit Stolz, dass die finnische Kirche in den letzten Jahren durch die Thomasmesse am meisten bewegt und verändert worden sei.

Zwei Tage lang wurden verschiedene Gespräche über diakonische Einrichtungen und Ausbildung mit Kirchenpolitikern und Fachpersonen geführt. Dazu gehörte das Gespräch mit Mikko Heikka, dem Bischof von Espoo und seinem Stab über ihr Kirchenverständnis und ihre Ziele. Die Themen gingen über aktuelle Glaubensströmungen in Finnland, eine zukunftsorientierte Altersarbeit, über die Arbeit mit Jugendlichen bis zur Situation von Frauen in der traditionellen Kirchenhierarchie.

Besonders wichtig war der Nachmittag in Järvenpää, wo die wegweisenden Konzepte der Kirche für die Ausbildung ihrer Diakone und Diakoninnen und der kirchlichen Berufe ganz allgemein vorgestellt und diskutiert werden konnten. In Finnland sind kirchlich ausgebildete Diakone und Diakoninnen gleichzeitig staatlich anerkannt, d.h. sie können auch als Sozialarbeiter und –arbeiterinnen in öffentlichen Institutionen arbeiten.

Eine vergleichbare Durchlässigkeit wird in den Schweizer Kirchen schon seit Jahren diskutiert. Die Erfahrung von Järvenpää ermutigt: Diese Durchlässigkeit ist möglich und sowohl für den Staat wie auch für die Kirche bereichernd.
Der Kirchenrat hat sich im Vorfeld der Retraite mit Diakonie befasst und wird es auch weiter tun. Die Erfahrungen der finnischen Kirche ermutigen ihn, den Stellenwert der Diakonie in den Kirchgemeinden weiter zu fördern und die diakonische Seite der Landeskirche zu entwickeln.



Meldung verfasst von: Claudia Bandixen.




Aufgeschaltet am 10. November 2007
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