Spannungsfeld Taufe 2007 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Spannungsfeld Taufe

Bericht von der Fachtagung am 1. September

Eine Projektgruppe hat im Auftrag des Kirchenrates am Samstag, 1. September, auf dem Rügel zu einer Fachtagung zum Thema Taufe und Wiedertaufe eingeladen. 40 Interessierte aus dem ganzen Kanton nahmen teil. Drei Referate und vier Workshops gaben den Teilnehmenden Denkanstösse und Orientierungshilfen zu Fragen wie: für und gegen die Wiedertaufe; wäre die Tauferinnerung im Pädagogischen Handeln ein Weg für Menschen, welche ihren Glauben bekennen möchten?


«Erneuern – bestätigen – wiederholen ?»
... war schon auf der Einladung provokativ gefragt worden. Diese Frage führte mitten hinein in ein vertieftes theologisches Nachdenken, abwechslungsreich moderiert von Marianne Klopfenstein. Realitätsnahe Szenen zweier Profischauspieler lockerten den Redefluss auf und lösten sowohl vertieftes Nachdenken, Selbstreflexion wie auch spontanes Lachen aus. Gespielte Gespräche zwischen Pfarrer und Gemeindeglied offenbarten die Zweifel, Zwänge und Fragen in diesem Zusammenhang.

«Die Taufe ist ein einmaliges Geschehen»
Pfr. Markus Sahli von der Abteilung Kirchenbeziehungen des SEK führte über einen biblischen Befund und einen kirchengeschichtlichen Rückblick hin zu reformatorischen Eckwerten der Taufe: «Die Taufe ist ein einmaliges Geschehen. Niemand kann mehrmals getauft werden, auch nicht im Sinne einer Eingliederung in mehrere verschiedene Kirchen. Und auch nicht im Sinne seelsorgerlichen Handelns im Einzelfall», so das Fazit seiner Ausführungen – gestützt auf Übereinkünfte des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Eurpopa (früher Leuenberger Konkordie).

Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen sagte unmissverständlich, dass der Kirchenrat in dieser Frage keinen Glaubensstreit wünsche. «Es geht um eine grundsätzliche Besinnung auf den Sinn und den Inhalt der Taufe. Dabei gilt für unser Taufverständnis: Was uns in der Taufe geschenkt wird, kann niemand wegnehmen. Das bedeutet auch, dass die Taufe nicht wiederholbar ist. Sie wird in der Regel von einer Pfarrerin oder einem Pfarrer durchgeführt, mit Wasser und im Namen des dreieinigen Gottes. Taufe ist möglich, in jedem Alter und in unterschiedlichstem Umfeld. Reformierte Tradition ist es, Kinder zu taufen und in der Gemeinde zu feiern.»

Der Kirchenrat werde seinen Auftrag als exekutive Behörde der Kantonalkirche wahrnehmen und die Tradition der Reformierten Kirche hochhalten, sie sichtbar und verständlich machen und die in der Kirchenordnung gegebenen Grenzen durchsetzen.

Patrik Müller, Leiter Theologie und Recht, stellte die Frage nach dem Spannungsfeld zwischen reformiertem Lehramt und religiösem Individualismus. Die Kirche müsse klar Stellung beziehen. Dazu gehöre auch, dass manches nicht möglich ist. Er verwies auf Beispiele, wie die Taufe missbraucht werden kann. Nicht nur die Wiedertaufe, auch die Zulassung von Menschen mit einer anderen Religion als Taufzeugen oder das Weglassen des Taufversprechens stellen Verletzungen des Taufsakramentes dar. Er plädierte für eine klare Tauflehre, für Mut zur Konsequenz und für eine umfassende Regelung der Taufe in der Kirchenordnung.

Kontroverse Diskussionen
Auch wenn die übergeordneten Vorgaben klar skizziert und manches kontrovers diskutiert wurde: Nicht alle Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmer waren zum Schluss in ihren Fragen und Meinungen weiter als zuvor. Wohin das denn führe, wenn Ungetaufte zum Abendmahl zugelassen und eine Zulassung zu allen kirchlichen Ämtern auch ohne Glaubensbekenntnis möglich sei, fragte eine Pfarrerin. Andere stellten nüchtern fest, dass noch längst nicht alle Möglichkeiten einer überzeugenden Tauferinnerungs-Praxis in unseren Kirchgemeinden ausgeschöpft seien.



Meldung verfasst von: Beat Urech.




Aufgeschaltet am 20. September 2007
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