zweite Seelsorgetatung ref. Kirche AG 2007 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Zweite Seelsorgetagung der Reformierten Landeskirche Aargau

Wert und Würde des Menschen – der Kernauftrag der Kirche in der Seelsorge

Am vergangenen Samstag diskutierte die Reformierte Landeskirche Aargau an einer Tagung in Aarau ihr neues Gesamtkonzept Seelsorge unter dem Titel «Wert und Würde des Menschen». Ziel dieses Konzeptes ist die Sicherstellung und Qualität der Seelsorge in möglichst allen medizinischen und sozialen Einrichtungen im Kanton Aargau unter Berücksichtigung der begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen.


An der zweiten Tagung zur Seelsorge in der Reformierten Landeskirche setzten sich rund 50 Personen mit der Frage auseinander, inwieweit Seelsorge notwendig ist und wie die Kirche der Nachfrage nach seelsorgerlicher Begleitung in Grenzsituationen des Lebens entsprechen kann. «Es geht darum, wo und wie wir als Kirche seelsorgerlich präsent sind», sagte Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen zur Einleitung und erinnerte daran, dass die Synode im Juni darüber entscheidet, «wie wichtig unsere seelsorgerliche Präsenz ist und was sie uns wert ist.»
Kirchenrat Konrad Naegeli, der das Dossier «Seelsorge» im Kirchenrat verantwortet, erläuterte die bisherigen Bemühungen der landeskirchlichen Arbeitsgruppe, die das Gesamtkonzept erstellt und zu der Tagung eingeladen hat. Eine Befragung aller Seelsorgenden in der Aargauer Landeskirche hat ergeben, dass die «seelsorgerliche Landkarte» bei den Reformierten weisse Flecken aufweist: Von 230 Einrichtungen im Kanton Aargau ist ein Drittel seelsorgerlich genügend bis gut, ein Drittel aber nicht genügend und ein Drittel gar nicht versorgt. Kriterium für eine ausreichende Versorgung in einem Spital oder Pflegeinstitution waren mindestens zwölf Aktivitäten pro Jahr und Einrichtung wie z.B. Gottesdienste oder Besuche. Die Kirche könne sich diese weissen Flecke nicht leisten, meinte Naegeli.
Der Kirchenrat betont, dass «seelsorgerliches Handeln nicht verhandelbar ist.» Als Ziele nannte Naegeli die Verbesserung des seelsorgerlichen Handelns in allen kantonalen Einrichtungen, die Qualitätssicherung der Seelsorge durch Definition von Standards, sowie den Ausbau und die optimale Nutzung der bestehenden Ressourcen.
Der Leiter der Stabsstelle Theologie bei der Stiftung Diakoniewerk Neumünster-Schweizerische Pflegerinnenschule Zürich, Dr. Heinz Rüegger, zeigte in seinem Referat über  «Wert und Würde des Menschen in Grenzsituationen» die Unterschiede zwischen dem christlichen und dem heute gängigen Wert- und Würdeverständnis auf. Die Wurzeln des christlichen Verständnisses lägen in der biblischen Tradition, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes, wie es in der Schöpfungsgeschichte heisst, eine besondere Stellung in der Welt habe. Rüegger betonte: «Daraus ergibt sich eine einzigartige Würde des Menschen».
Sie bezeichnet einen absoluten Wert des Menschen, der unabhängig von seinen Fähigkeiten sei, von seinem Gesundheitszustand oder seinem Tun. Dieser Wert beinhalte den  Anspruch auf Schutz des eigenen Lebens, auf Autonomie, auf Menschenrechte und auf einen grundlegenden Respekt vor der Person. Im Unterschied dazu mache das heute gängige Verständnis die Würde des Menschen an seinen individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten fest. So verstanden, warnte Rüegger, sei Würde von Mensch zu Mensch graduell unterschiedlich vorhanden und  könne auch verloren gehen. Als Konsequenz daraus, würden Menschen, die sich in Grenzsituationen befänden, abgewertet, da ihre Existenz als «entwürdigt» erscheine. Die erste Aufgabe der Kirche sieht Rüegger darin, das Verständnis von Würde und das dahinter stehende Menschenbild – auch aus christlicher Sicht – wieder zu klären.
Die Problematik der Sterbehilfe, führte Rüegger weiter aus, resultiere daraus, dass Sterben heute primär ein medizinisches und kein sozial-religiöses Geschehen mehr sei: «In rund 50 Prozent der Fälle stirbt man heute nicht mehr einfach so, sondern erst nachdem medizinisch darüber entschieden wurde». An die Stelle der Erfahrung des Todes als Schicksal, sei häufig die Diskussion über den richtigen Zeitpunkt des Todes getreten. Dadurch werde der Ruf nach dem «Recht auf den eigenen Tod» immer lauter. Die verschiedenen Formen von Sterbehilfe spielten dabei eine wichtige Rolle. Aufgabe der Kirche sei es hier, Begriffe wie Sterbebegleitung, Suizidhilfe u.a. zu klären und die Sterbekultur als Teil einer Lebenskultur einzuführen, in der der Tod nicht mehr verdrängt werde.
«Viele Ärzte und Theologen haben ein negatives Bild von Sterben und sehen den Tod als Erzfeind», stellte Rüegger fest. Damit könne man aber keine menschenfreundliche Sterbebegleitung und Seelsorge betreiben. Für ein positives Verständnis zu Sterben und Tod im Sinne des alttestamentlichen «er starb alt und lebenssatt» brauche es Menschen, die «die Ohnmacht gegenüber dem Tod aushalten und gesammelt und segnend präsent sind», sagte Rüegger. «Das könnte entscheidender sein als viele medizinische Therapien».



Meldung verfasst von: ria / Elisabeth Martinek, 4084 Zeichen, incl. 660 Leerzeichen




Aufgeschaltet am 6. März 2007
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