Glückes-Schmied Rügel 2006 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Die Frage nach des Glückes Schmied im Tagungshaus Rügel

Festakt zum Jubiläum 50 Jahre Tagungshaus Rügel am 26. August 2006 in Seengen

Im Beisein von 70 Gästen aus Politik, anderen Landeskirchen und der kirchlichen Bildungsarbeit feierte die Reformierte Landeskirche Aargau am Samstag das 50-jährige Jubiläum ihres Tagungshauses auf dem Rügel bei Seengen. Landstatthalter Ernst Hasler und Grossratspräsidentin Esther Egger machten sich in ihren Grussworten auf die Suche nach dem Glück in der Politik. Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen und Studienleiter Thomas Bornhauser erklärten das christliche Verständnis vom Glück und den Beitrag der Kirche und ihrer Bildungsarbeit zu eine glücklicheren Gesellschaft.


Kirchenrat Konrad Naegeli, in der Exekutive der Landeskirche zuständig für das Tagungshaus, moderierte den Festakt mit überraschenden Zitaten zum Thema «Glück» und zur «Heimstätte auf dem Rügel» – wie sie bei ihrer Gründung hiess. Als Ort für Einkehr, Begegnung und Bildung sowie zur Auseinandersetzung mit Fragen der Erziehung, Gesellschaft und des Glaubens sei das Haus vor genau 50 Jahren und wenigen Tagen – im August 1956 – gegründet worden.
Als erste Festrednerin beleuchtete Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen das christliche Verständnis vom Glück des Menschen. Für ihre Beiträge war ihr wie auch den anderen Referenten das Sprichwort «Jeder ist seines Glückes Schmied» und die Abwandlung davon «Jeder ist des anderen Glückes Schmied» vorgegeben worden.
Claudia Bandixen stellte dem menschlichen Bedürfnis nach Machbarkeit des Schicksals verschiedene unverschuldete und unkontrollierbare Lebenssituationen wie Krankheit, Armut und Verlust gegenüber. Glück sei in der heutigen Gesellschaft fast zum Zwang geworden, stellte sie fest und entscheide darüber ob ein Leben als sinnvoll und wertvoll ist. Glück sei durchaus etwas Schönes, aber nicht ausschlaggebend für den Wert eines Lebens. Darüber entscheidet ein Anderer. Wie das Beispiel von Hiob im alten Testament zeige, habe auch das Leben von Menschen, die Unglück erleben, Sinn, weil Glück nicht nur das Ergebnis von Fleiss und Erfolg sei. «Diese Haltung des reformierten Christseins bedeutet eine grosse Entlastung im Umgang mit dem Glück,» resümierte Bandixen.
Regierungsrat und Landstatthalter Ernst Hasler ging auf die Frage nach dem Glück mit sehr persönlichen Beispielen ein. So fühle er sich als Unternehmer nicht nur für das eigene Glück oder das seiner Firma verantwortlich, sondern auch für das Glück seiner Angestellten, für deren Sicherheit und Arbeitsplätze. In seiner 30-jährigen Karriere auf verschiedenen Ebenen der Politik bis zum Regierungsrat habe er die Frage nach dem Glück in politischen Diskussionen schon aus unterschiedlichsten Blickwinkeln gesehen. Manchmal müsse man den Betroffenen « ein Glück beibringen, dass diese so gar nicht haben wollen». Wenn es dann sehr «heikel» werde, so empfahl er auch den Anwesenden: «setze ich mich auf mein Rennvelo und nehme alles ganz anders wahr: die Landschaft, die Gerüche, die anderen Menschen.» Beim Velofahren begegne man anderen Menschen viel offener. Letztlich machten vor allem Begegnungen - auch in der Politik - glücklich.
Das bestätigte auch Grossratspräsidentin Esther Egger. Sie ging den beiden aufgezeigten Spuren nach dem eigenen Glück und dem der anderen nach. Das eigene Glück finde sie in ihrem privaten Leben mit den drei mittlerweile erwachsenen Kindern und als politische «Workaholicerin» in ihrem Engagement für das gesellschaftliche Wohlergehen. Und gelegentlich auch in einem Stück Schokolade.
Für beide Thesen vom Schmieden des Glücks gelte: «Für das Glück in der Politik wie im persönlichen Leben braucht es ein Miteinander, die Bereitschaft Kompromisse einzugehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen». Dem Tagungshaus Rügel attestierte und wünschte sie weiterhin, dass es dazu beitrage, «dass Menschen ihr Glück selbst schmieden und dass christliche Werte wie Solidarität aber auch Eigenverantwortung sowie die Neugierde an Wissen und Neuem erhalten bleibt».
Abschliessend erläuterte der Studienleiter des Tagungshauses, Dr. Thomas Bornhauser, warum sich eine Institution der Reformierten Landeskirche zum Erstaunen vieler ausgerechnet das Thema «Glück» für ihr Jubiläum gesetzt habe. Die Bibel kenne dieses moderne Wort zwar nicht, meint aber z.B. mit «Seligkeit» letztlich das Gleiche. In diesem Sinne sei das Glück der Menschen auch das Ziel der Kirche.
Er führte die beiden Aspekte der Sprichwörter unter den Titeln Egoismus und Altruismus aus. Das Streben nach dem eigenen Glück sei geradezu der «kategorische Imperativ der Moderne» sowohl des Einzelnen wie gesellschaftlicher Gruppen, die zuerst für eigenes Wohl sorgten. Die Erziehung zum Altruismus, also zum Sorgen für das Wohl der anderen, sei deshalb eine wichtige Aufgabe der Kirche und speziell ihrer Bildungsarbeit, wie sie auch auf dem Rügel geleistet werde.
Dazu könne die kirchliche Erwachsenenbildung wertvolle Instrumente einsetzen wie zum Beispiel die Werte vermittelnden mythologischen Geschichten der Bibel. (Die Schöpfungsgeschichte zeigt, wie Gott alles Lebende gleichberechtigt liebt und achtet). Christliche Gebote und Regeln, die viele Menschen für ihre Lebensgestaltung suchten, haben immer das Wohl des Ganzen im Blick. («Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.») Als drittes Beispiel strich Bornhauser die Mystik als «religiösen Königsweg zur Überwindung des Egoismus» heraus. Sie setze den Einzelnen in ein völlig neues Verhältnis zum Ganzen. Mit diesen Bestrebungen «leistet die kirchliche Bildung einen Beitrag zu einer glücklicheren Welt», schloss Bornhauser.
Die begeisternde Musik eines Jazzquintetts mit fünf jungen Musikern unter der Leitung von Matthias Meier und ein exquisites Festmenu aus der beliebten Küche des Tagungshauses Rügel rundeten den festlichen Anlass ab.



Meldung verfasst von: ria / F. Worbs, 6100 Zeichen (incl. 800 Leerzeichen)




Aufgeschaltet am 28. August 2006
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