Bettagsmandat 2006 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Bettagsmandat 2006 der Aargauer Landeskirchen und der Regierung

Entdeckungen

Der Regierungsrat und die drei Landeskirchen des Kantons Aargau geben abwechselnd jedes Jahr zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag einen Aufruf an die Aargauer Bevölkerung heraus. In diesem Jahr wird der Text des Bettagsmandates von den drei Aargauer Landeskirchen verantwortet.


Wörter können verstauben wie Dokumente in alten Archiven oder verrussen wie Kapellen und Kathedralen. Aber unter Staub und Russ findet sich Wahres, Gutes und Schönes. Das gilt auch für den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag.

Danken ist eine Haltung, die Hände öffnet. Wer dankt, empfängt, was gegeben wird. Dank bejaht Leben. Alles Leben. Und das, was Leben in Gesichtern formt. Dankbarkeit ist Aufmerksamkeit, die am alten Birnbaum, der noch Früchte trägt, nicht einfach vorübergeht. Die Ameise, die bei diesem angehaltenen Schritt über die Schuhe klettert, muss von einem dankbaren Menschen nicht fürchten, zerquetscht zu werden. Dank sieht im Leben mehr als eine chemische Verbindung. Dankbarkeit bestimmt Leben nicht als Produkt aus Kühlschränken mal Surround TV. Wer danke sagt, bringt damit den Glauben zum Ausdruck, Wesentliches sei ein Geschenk und nicht ein Erzeugnis. Danken ist eine Haltung, die Hände öffnet. Wer dankt, schliesst nicht aus, dass alle Jahreszeiten, Tage und Nächte dem Leben etwas zu geben haben. Danken ist eine Haltung, die der Gesellschaft und dem Staat Halt geben.

Busse ist ein Wort, das sowohl die Kirchen, als auch das Bewusstsein der Gesellschaft verlassen hat. Im Alltag ist Busse eine Geldsache, die mehrheitlich mit dem Strassenverkehr in Verbindung gebracht wird. Wenn schon, so wäre es richtiger, nach Umkehren zu fragen. Noch einmal neu und anders anfangen. Umkehren und sich über die eigene Mitte, statt über die Interessen von anderen bestimmen. Wege wagen, die Leben der Ausbeutung vorziehen. Pfade suchen, denen Pflanzen wichtiger ist als Herstellen. Umkehr nimmt sich Zeit. Geht zurück. In der anderen Richtung. Schritt für Schritt. Nicht flüchtend. Bewusst. Wach. Kritisch. Die Ahnung der eigenen Begrenztheit wird nicht abgewehrt. Umkehr ist sich gewiss: Immer gibt es die Chance eines neuen Anfangs.

Beten heisst reden, wenn ein Wort geboten ist. Gebet ist der Mut, das Schweigen zu brechen. Wer betet, erzählt, was vorgeht. Erzählt, ohne schön zu reden oder schlecht zu machen. Gebet ist Rede, die aufrichtet und gerade gehen hilft. Wer betet, bringt unbeirrbar diejenigen ins Gespräch, welche durch Schweigen noch einmal umgebracht worden sind. Gebet behält die Erinnerung wach. Ohne Waffe und gewaltlos. Vergisst nicht den am Kreuz Gehängten. Gefoltert von Elitetruppen. Von ihm und anderen ist zu lernen, dass beten reden und reden beten ist.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ein Anstoss, mit drei Haltungen aus mehr als nur der christlichen Religion dem Leben in Staat und Gesellschaft, dem Zusammenhalt von Lebendigem Kraft und Zukunft zu ermöglichen.



Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs, 2’560 Zeichen


Aufgeschaltet am 31. August 2006
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