Auftakt Brot für alle 2006 - Reformierte Landeskirche Aargau


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Ein Kriminalroman und der Frauenhandel in der Schweiz

Kantonale Auftakt-Veranstaltung der Aktion «Brot für alle/Fastenopfer» 2006 zum Thema Menschenrechte

Mit einem ungewöhnlichen Abend wurde am Mittwoch im «Müllerhaus Literatur und Sprache» in Lenzburg die diesjährige Kampagne der kirchlichen Hilfswerke «Brot für alle / Fastenopfer» zum Thema «Wir glauben. Menschenrechte fordern Einsatz.» im Aargau eröffnet. Petra Ivanov, Redaktorin beim Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS), las aus ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Kriminalroman «Fremde Hände».


Medienmitteilung vom Mittwoch, 8. März 2006

Darin geht es um den Mord an einer jungen Albanerin, den die Bezirksanwältin Regina Flint und der Kriminalpolizist Bruno Cavalli gemeinsam aufklären sollen. Eingepackt in viel Zürcher Lokalkolorit und eine Liebesgeschichte erzählt Ivanov die Tragödie verschleppter Frauen, die mit falschen Versprechungen auf gut bezahlte Arbeit oder die Heirat in der Schweiz aus ihren Heimatländern gelockt und in Städten wie Zürich zur Prostitution gezwungen werden.

«Frauenhandel findet aber nicht nur im Sexgewerbe statt sondern überall dort, wo die Frauen in einem Ausbeutungsverhältnis unter Sklaverei ähnlichen Bedingungen leben, was z.B. auch bei einer Hausangestellten der Fall sein kann», betonte Marianne Schertenleib vom Zürcher Fraueninformationszentrum (FIZ) in der anschliessenden Podiumsdiskussion, die von Penelope Kühnis, Redaktorin beim Regionaljournal Aargau des Schweizer Radios, moderiert wurde.

«Menschenhandel bedeutet die Überschreitung des Selbstbestimmungsrechtes», pflichtete der Zürcher Rechtsanwalt Valentin Landmann bei. Gerade dieses Kriterium mache es aber strafrechtlich schwierig, den Nachweis des Menschenhandels zu erbringen und festzustellen, wie weit Zwang angewendet werde. Erfahrungsgemäss seien die Frauen selten bereit, gegenüber der Polizei auszusagen, da sie sich – ohne Pass und Geld - in einem Abhängigkeitsverhältnis befänden und die Schweizer Gesetzgebung keinen Zeugenschutz kenne. «Die Rechtssprechung weicht hier auf das Ausländerrecht aus. Wenn die Frauen, die sich zum grössten Teil illegal in der Schweiz aufhalten, als Zeuginnen vor Gericht auftreten, riskieren sie es, ausgeschafft zu werden», sagte Landmann.

«Soziologisch gesehen ist Frauenhandel das Resultat weltweiter Ungleichheiten», meinte die Aarauer Soziologin Ursula Fiechter. Um dem Handel mit Frauen zu begegnen, müssten die Opfer ein Aufenthaltsrecht bekommen und die Profiteure, wie z.B. Freier, verstärkt ins Visier genommen werden. «Die ökonomische Situation dieser Frauen in ihren Herkunftsländern spielt eine grosse Rolle», stimmte Marianne Schertenleib zu. Deshalb sei in Sachen Frauenhandel die Entkriminalisierung der Opfer und ihr Schutz äusserst wichtig. Landmann plädierte abschliessend für eine Liberalisierung: «Frauenhandel im Sinne von Schlepperei wird es solange geben, wie es staatliche Einschränkungen gibt. Durch eine Freizügigkeitsbewilligung kann der illegale Markt zerstört werden. Frauen im Sexgewerbe müssen gesellschaftlich anerkannt und dürfen ausländerrechtlich nicht anders behandelt werden als andere.»



Meldung verfasst von: ria / Elisabeth Martinek, 2952 Zeichen (incl. 385 Leerzeichen)




Aufgeschaltet am 8. März 2006
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