Time-out 09 - Reformierte Landeskirche Aargau


Stritengässli 10 · Postfach · 5001 Aarau · Telefon 062 838 00 10 · www.ref-ag.ch · ag@ref.ch


Startseite Kontakt Login Sitemap ___________________

Timeout - Turmuhr von St. Sebastian
Die eingewickelten, «gefesselten» Zeiger der Turmuhr von St. Sebastian
Foto: Roger Wehrli

1200 Menschen nutzten am 7. November in 41 Kirchen das erste Aargauer «Timeout»

Mit dem symbolischen Verhüllen der Uhrzeiger an der Kirche St. Sebastian in Wettingen, von einem Hubretter der Feuerwehr aus, begann am Samstag, 7. November, um 13 Uhr offiziell das erste Aargauer «Timeout» unter dem Motto «Mehr Zeit zum Leben». Die Initianten, die Reformierte und die Römisch-Katholische Landeskirche und das Stapferhaus Lenzburg erklärten vor der Wettinger Kirche 60 Gästen Sinn und Hintergrund der Aktion. In 40 Aargauer Kirchen blieben danach die Uhrzeiger für zwei Stunden ebenfalls stehen. Ca. 1200 Menschen besuchten in dieser Zeit die Veranstaltungen in den Kirchen wie Meditationen, Lesungen, Andachten, Konzerte und Vorführungen.


Mitten in der Rushhour des Lebens, am Samstagnachmittag, blieben im Aargau an 30 reformierten und 11 katholischen Kirchen die Uhren für zwei Stunden still, die Glocken schwiegen. An vielen Kirchen wiesen riesige «Timeout»-Banner schon seit Tagen auf die Aktion hin. Plakate oder offen stehende Kirchentüren luden die Menschen zu einem Unterbruch des Alltags und spontanen Besuch des Angebots in der Kirche ein. Ungewöhnlich war, dass man jederzeit während der Musik, den Bildmeditationen, Lesungen, Vorführungen oder Ansprachen die Kirche betreten und verlassen konnte. Schätzungsweise 1200 Menschen gingen auf das ungewöhnliche, niederschwellige Angebot ein, blieben für einen Augenblick wie die Uhren «still stehen» und liessen sich anregen, über ihren Umgang mit der Zeit nachzudenken.

Viele entschieden sich spontan dazu. Diese Idee der Kampagne ging allerdings nur dort auf, wo die Kirchen «mitten im Dorf» stehen, wo Menschen bei ihren samstäglichen Besorgungen zufällig an den offenen Kirchentüren vorbeikamen.
Spannend war dann der Augenblick, als die ersten Uhren wieder angestellt wurden, sei es mechanisch durch das Anstossen eines Pendels oder elektrisch durch das Umlegen eines Schalters, denn die Uhren mussten die zwei Stunden und alle verpassten Zeitschläge der Glocken wieder nachholen. Das konnte je nach Bauart bis zu einer viertel oder halben Stunde dauern. Uhrentechniker waren für Notfalleinsätze auf Pikett. In vier Kirchen waren die Uhren nicht wieder ordnungsgemäss angelaufen und benötigten technische Unterstützung.

Kantonale Startaktion mit einem Hubretter der Feuerwehr
Für die kantonale Startaktion baute die Feuerwehr Wettingen ihr Hubrettungsfahrzeug auf der Schartenstrasse neben dem Kirchturm von St. Sebastian auf. Feuerwehrmann Peter Steimer fuhr den Rettungskorb zum Zifferblatt hinauf. Als die beiden Zeiger um 13.05 Uhr genau übereinander standen, blieb die Uhr stehen, und Anja Hartmeier vom Blauring Wettingen verhüllte oder «fesselte» die Zeiger mit einem roten Stoffband. So wurde das Stillstehen der Zeit symbolisch sichtbar.

Verantwortliche der Initianten erläuterten im einsetzenden November-Nieselregen die Ziele und Hintergründe der Aktion «Timeout – mehr Zeit zum Leben» und die spezielle Zusammenarbeit der beiden Landeskirchen mit dem Stapferhaus. Dessen Co-Leiterin, Sybille Lichtensteiger, wies auf den Zusammenhang mit der Ausstellung «Nonstop – über die Geschwindigkeit des Lebens» im Zeughaus Lenzburg hin. Das Stapferhaus möchte mit der Aktion das Nachdenken über den Umgang mit der Zeit auch ausserhalb der Ausstellung anregen und dankte den Landeskirchen, die die Idee mit Inhalten füllten, für die spontane und gute Zusammenarbeit. Der Slampoet Simon Libsig aus Baden begeisterte die ca. 40 Gäste mit seinem Text «Zeit – du fiese Sau», bevor Heinz Altorfer, Vizepräsident des Kirchenrats der Römisch-Katholischen Landeskirche, die spezielle Botschaft und die Inhalte erläuterte, die die Landeskirchen mit dieser Aktion vermitteln möchten. Claudia Bandixen Präsidentin des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche, nahm das Thema «Zeit» aus christlicher Sicht auf und vertiefte es mit Texten aus der Bibel. Anschliessend konnten die Anwesenden die konkrete Umsetzung der Kampagne im trockenen und warmen Inneren der Kirche St. Sebastian verfolgen.

Reaktionen der Kirchgemeinden
Von 24 der 30 mitwirkenden reformierten Kirchgemeinden liegen bisher Auswertungen vor. Jeweils 11 fanden die Aktion inhaltlich sehr gut oder gut, 2 eher nicht gut (Durchschnittsnote 1,6 auf einer Skala von 1–4). Die verschiedenen Einschätzungen sind zum Teil auf die sehr unterschiedlichen Teilnehmerzahlen in den Kirchen zurückzuführen: Pro Kirche besuchten zwischen 5 und 70 Personen die Angebote. Worauf die diese grosse Spanne zurückzuführen ist, muss noch genauer untersucht werden. Insgesamt wurden schätzungsweise 800 Menschen in den 30 reformierten und ca. 500 in den 11 römisch-katholischen Kirchgemeinden erreicht.

Viele Rückmeldungen äusserten sich positiv bis begeistert zu der Idee mit den Kirchturmuhren und lobten vor allem die grossen, farbigen Stoffbanner, mit denen unübersehbar auf die Aktion hingewiesen werden konnte. Sie hätten allerdings mit dem Hinweis auf die Angebote IN der Kirche ergänzt werden soll.

Es gab auch einige Kritikpunkte: Der Samstagnachmittag ist für kirchliche Aktivitäten wenig geeignet. Die Idee mit dem Innehalten beim Wochenendeinkauf hat an einigen Orten nicht richtig funktioniert. Was als Spielraum für die Planung der Kirchgemeinden gedacht war, erwies sich zum Schluss als hinderlich für Werbung und Kommunikation: Die uneinheitlichen Aktionszeiten zwischen 13 und 17 Uhr. Gleichzeitig, fanden viele, wäre besser gewesen. Auch der Termin Anfang November, der mit Rücksicht auf die Stapferhausausstellung gewählt wurde, ist für die Kirchgemeinden weniger geeignet. In dieser Zeit sind bereits viele andere Angebote, Bazare etc. geplant. Trotzdem waren die meisten Rückmeldungen so positiv, dass viele nach einer Wiederholung der Aktion fragten oder sogar fanden, das müsse man jedes Jahr machen, damit es richtig wirke.


Frank Worbs
Weitere Infos